Sonntag, 18.5.2014:
5:45 Uhr klingelt der Wecker, schnell etwas frisch gemacht und schon geht’s
pünktlich, wie geplant, um 6:00 Uhr los. Der Wettergott ist heute nicht mit
uns, es ist kühl und es regnet in Strömen - also warm angezogen und Ölzeug
drüber. Die Mühlendamm-Schleuse können wir trotz der kaputten Südschleuse
gleich passieren, sodass wir schon 8:30 Uhr am vereinbarten Treffpunkt mit
Clara, Annett und Monika am Liegeplatz Friedrichstrasse sind. Nach einem
ausgiebigen Schwätzchen auch hier die Verabschiedungszeremonie.
Die eigentlich geplante Fahrt durch Berlin mit den Dreien fällt wegen des
Regens aus.
An
der Schleuse Plötzensee angekommen, müssen wir feststellen, dass diese geschlossen
ist. Also wieder zurück und durch die Schleusen Charlottenburg und Spandau -
beides ohne größere Wartezeiten. Der Regen lässt nach, 15:00 Uhr sind wir in
Hennigsdorf und 17:20 Uhr vor der Schleuse Lehnitz –
auch hier werden wir ohne Wartezeit geschleust. Hinter der Schleuse
Abendbrotpause und dann weiter immer geradeaus auf dem Oder-Havel-Kanal nach
Eberswalde, dort machen wir für die Nacht fest.

In 10¾ Motorstunden haben wir 51,6sm geschafft.
Montag,
19.5.:
Weiter geht’s auf dem Oder-Havel-Kanal,
das Wetter ist nicht viel besser als gestern. Unterwegs eine Brücke an Land,
sie wird man für die Verbreiterung des Kanals nutzen. Am Schiffshebewerk
Niederfinow kontrollieren wir den Baufortschritt, nach 40min ist der Trog mit
uns unten. Wenigstens lässt der Regen nach, die Fahrt vorbei an der idyllischen
Landschaft bis zur Schleuse Hohensaaten können wir
genießen. Alleine in der großen Schleusenkammer sind wir schnell durch und
setzen ab 10:30 Uhr bei 16°C unsere Fahrt auf der Friedrichsthaler Wasserstraße
fort.

Gegen 15:00 Uhr erreichen wir den ehemaligen Grenzübergang Mescherin,
angenehm, dass man einfach weiterfahren kann. Nur ungern erinnern wir uns an
die Zollabfertigung auf beiden Seiten der Oder mit oft sehr schwierigen
Anlege-Bedingungen auf der polnischen Seite.
Das Panorama von Stettin können wir im Sonnenschein betrachten. Inzwischen gibt
es an der Promenade Gastliegeplätze, im Herbst waren dort noch Bautätigkeiten.
In der Marina Pogon (Liegegebühr 15€) machen wir zur
Nacht fest. Dort gibt es einen neuen Kran, die gleiche Bauweise wie im WSV. Die
Marina selbst ist vergrößert, es gibt zahlreiche neue Anlegemöglichkeiten.
Insgesamt haben wir 50,8sm in 9¾ Motorstunden zurückgelegt.
Dienstag, 20.5. :
7:00 Uhr beim gemütlichen Frühstück
erfahren wir, dass unser Mast in der Marina Pogon
nicht gestellt werden kann, die Auslegerlänge reicht nicht. Also in die Marina Hotele verlegen, leider mit Wartezeit auf den Hafenmeister.
Sein Dienst beginnt erst 12:00 Uhr. Jörg repariert die Antennenhalterung, die
teilweise durch ein ungeschicktes Ablege-Manöver abgerissen war, und bereitet
das Maststellen vor.
10:30 Uhr haben wir schon 25°C im Schatten, die Sonne scheint vom blauen Himmel
und es ist fast windstill. Ab 11:15 Uhr wird der Mast gestellt, nach einer ½ h
ist er senkrecht und in seiner Verankerungen, der 2. Mann an Bord ist Ralf Krischker, der mit seiner Maimiti ebenfalls in der Marina Hotele liegt. Nun folgt der langwierigste Teil: alles
Riggen, Segeleinziehen, …. Nachdem auch
der Windgenerator angebaut ist, haben wir uns einen kleinen Plausch mit Nicola
und Ralf bei einem Bier im Restaurant der Marina verdient.
Kosten für das Maststellen: 150 Zl ~ 38€,
Liegegebühren 114Zl ~ 28€.

Mittwoch,
21.5.:
Bereits beim Aufstehen knallt die Sonne vom blauem Himmel, es ist windstill,
22°C messen wir im Schatten. Die letzten Arbeiten werden an Bord noch
ausgeführt, Wasser und Diesel (75l für 424 Zl)
getankt und ab geht es Richtung Norden. 9:15 Uhr verlassen wir die Marina.
Viel Wind ist heute nicht zu erwarten:

Ja und leider ist das auch so, die gesamte Strecke musste der Motor uns
vorwärts bringen. Wir laufen rund 6kn, der Wind kommt aus S mit etwa 1Bft.
14:00 Uhr sind wir in der Kaiserfahrt und 15:30 Uhr liegen wir an einem
Schwimmsteg in der Marina Swinemünde (Liegegebühren
38Zl ~ 10€). Es ist sehr warm, trotzdem
brechen wir zu einem kleinen Stadtbummel auf. Die 33,7sm haben wir in knapp 6h
zurückgelegt.
Neben uns am Steg liegt ein ganz heißer Ofen, ein 60-Fuß Einhand-Racer,
leichter als unser Boot, alles aus Karbon
(Einzelheiten zu diesem Boot unter www.energasailing.pl).

·
Donnerstag, 22.5.:
7:45 Uhr nach dem Frühstücken wird abgelegt, da es im Kanal bläst, setzen wir
bereits innen das Großsegel (1x gerefft). Nach Verlassen des Molenkopfes kommt
die Fock dazu. Die Sonne scheint, es ist nur wenig bewölkt, der Wind kommt aus
SSO mit 10 bis 12kn. (wie bei Windfinder vorhergesagt). Wir haben achterlichen Wind – also Schmetterlingfahren.
8:40 Uhr richtig auf Kurs 320° nehmen wir unsere neue Windselbststeueranlage
zum 1. Mal in Betrieb. Hurra!!!! - es funktioniert alles. Wir laufen mit 6 bis
7 kn über Grund. Nach 1h nimmt der Wind ab und dreht auf SO, das Großsegel wird
ausgerefft. Weiter geht’s mit Halbwindkurs – besser kann das Segeln nicht sein.
12:15 Uhr ist die Greifswalder Öe querab. Allerdings
nervt ein Knarren in der Steuergegend. Jörg nimmt alles Mögliche auseinander,
es wird nachgeölt, aber auch nach über 2h Bauen hat er den Fehler noch nicht
gefunden. 14:40 Uhr nimmt der Wind auf ~6kn ab, wir schaukeln in den Wellen,
also Eisensegel an.
15:30 Uhr sind wir in Saßnitz an der Nordmole fest.
Die 42,3sm haben wir in 7¼h zurückgelegt (6½h segelnd bei Super-Bedingungen).
So könnte es jeden Tag sein!!!! Und die weißen Häuser von Saßnitz grüßen im
Sonnenschein.

Freitag,
23.5.:
Abgelegt wird 7:25 Uhr auch wenn der Wind noch auf sich warten lässt. 1h später
werden Großsegel und Fock gesetzt und vorbei geht’s an den weißen Kreidefelsen
der Stubbenkammer und den Königsstuhl (immer wieder
ein toller Anblick – heute in der Morgensonne). Wir queren die Tromper Wiek mit Wind aus O mit
3Bft. Raumschots laufen wir 6 bis 7kn mit einem Kurs von 310°. Kap Arkona wird
10:15 Uhr erreicht, ab Mittag nimmt der Wind ab, zuerst muss der Motor
zusätzlich zu den Segeln arbeiten, aber bald wird es immer weniger, so dass wir
eine reine Motorfahrt fast bis zu unserem Ziel haben. Die Sicht ist sehr
schlecht, es ist diesig. Kurz vor Moen kommt für eine
halbe Stunde Wind auf, jetzt von vorn. Von Warnemünde aus scheint eine
Gewitterfront in unsere Richtung zu ziehen, wir beeilen uns. Auf der Karte von DWD finden wir sie als
Konvergenzlinie dargestellt. Die Marina Klintholm
erreichen wir 17:30 Uhr, zahlen 150DKR am Automaten mit Kreditkarte und laufen
noch etwas im Ort. Die Gewitterfront zieht nahe an uns vorbei, bringt uns aber
nur Wind im Hafen. Der Supermarkt hat schon 18:00 Uhr geschlossen – wir sind in
Dänemark!!! Heute waren wir 10h unterwegs für die 53sm, knapp die Hälfte
segelnd.

Sonnabend,
24.5.:
Ablegen heute 8:15 Uhr, wer meint da wir schwächeln?! Ich habe erst vorher den Stromanschluss genutzt, um die
WLAN-Verstärker-Software auf die externe Festplatte zu speichern. Gleich
außerhalb des Hafens werden Großsegel und Fock gesetzt, und schon geht’s bei
3Bft Wind aus NNW mit 7,5kn zum Kap von Moen. Heute
kann man die Küste gut sehen. Wir segeln vorbei an einer leicht hügeligen
Landschaft mit Wäldern, bunten Feldern und einzelnen Häusern und am Kap mit
seinen ebenfalls weißen bis zu 143m hohen Kreidefelsen. Hinter dem Kap heißt es
hoch an den Wind, wir müssen kreuzen, auch das macht die Windselbststeueranlage
hervorragend. Ab 11:00 Uhr wird sie nicht mehr gebraucht, der Wind ist weg.
Also müssen „Gustav“ (unsere elektrische Selbststeueranlage) und der Motor uns
in die richtige Richtung vorwärtsbewegen. 12:20 Uhr kommt frischer Wind mit 3 Bft aus N, wir segeln hoch am Wind mit ~6kn Speed. Vor
Stevens Klint müssen wir wenden (wir erinnern uns
dass wir vor 2 Jahren hier spazieren gegangen sind), nach ½ h in Richtung 40°
ist mit dem Wind wieder vorbei. Es wird immer weniger, das Meer immer glatter.
16:45 Uhr fahren wir unter der Öresundbrücke (laut Wikipedia
die weltweit längste Schrägseilbrücke für kombinierten Straßen- und
Eisenbahnverkehr, ~7,8km lang), die Schweden und Dänemark verbindet, durch – ein
gewaltiges Bauwerk. Jetzt kommt wieder Wind und wir können die letzten 5sm hoch
am Wind segeln. Vorbei geht es am neuen Wahrzeichen von Malmö, dem
Torso-Hochhaus mit seinen 54 Stockwerken.. 18:00 Uhr
legen wir im Stadthafen von Malmö an, eine ganz enge Einfahrt war zu
überstehen. 52sm sind wir unserem Ziel näher gekommen, davon etwas mehr als die
Hälfte segelnd


Nach
Bezahlen der Liegegebühren (180 SKr) und Abendessen
an Bord bummeln wir einige Stunden durch die Stadt. Überall wird
gebaut, in der Innenstadt das pralle Leben, viele Blumen, historische Gebäude
und schöne Plätze und auch diese lustigen Gesellen. Der Besuch hat sich
gelohnt.
