Sonntag, 20.7.2014:

7:00 Uhr legen wir ab, denn es sind über 70sm bis zum nächsten möglichen Hafen. Es werden aber heute nur 10sm.
Vom Wasser aus blicken wir auf die Kirche, die sich wieder in den Wolken befindlichen Berge. Ein Kreuzfahrtschiff kommt uns entgegen und die Schneefelder von Snäfjallanes leuchten bereits in der Frühsonne.

P1100834-001.JPG P1100836.JPG 

P1100842.JPG  P1100841.JPG

Gegen 8:00 Uhr steigt der Plotter aus, die Helligkeit und der Kontrast lassen sich nicht mehr regeln. ½h versuchen wir, ihn wieder sichtbar zubekommen, dann beschließen wir nach Isafjördur zurück zu fahren, es ist dabei sogar Segeln mit halbem Wind möglich. Im Hafen baut Jörg alles auseinander und muss feststellen, dass trotz „spritzwassergeschützt“, Wasser im Plotter ist. Also alles trocknen, dass scheint zwar zu gelingen, aber das Gerät lässt sich nicht mehr starten. Und die italienische Bedienungsanleitung ist nicht sehr hilfreich. Ein „Spezialist“ könnte frühestens Montag gegen 8:00 Uhr erreichbar sein. Also warten, natürlich leicht genervt. Zum Wandern haben wir trotz Sonnenschein keine Lust. Wir besuchen nachmittags das Heimatmuseum der Westfjorde. Es befindet sich im ältesten erhaltenen Häuserensemble Islands aus dem 18. Jahrhundert, als die Dänen das Handelsmonopol hatten. Es gibt dort eine interessante Ausstellung, die einen Querschnitt durch 1000 Jahre Fischfang und Fischverarbeitung zeigt. Zusätzlich wird dort eine private Akkordeon-Sammlung mit weit über 100 Instrumenten gezeigt.
Weiter führt uns unser Spaziergang zum Kulturhaus mit Bibliothek, Foto- und Kunstausstellung – Sonntag leider geschlossen. Zurück zum Boot, die Sonne etwas genießen und Internet nutzen mit unserer neuen Prepaid-Karte von Island-Nova. Die uns empfohlene SIMINN-Karte haben wir trotz vielfachem Abklappern aller möglichen Geschäfte nicht kaufen können.

P1100846.JPG  P1100853.JPG  P1100849.JPG  P1100857.JPG


Montag, 21.7.:

8:00 Uhr, wir warten. Feiner Nieselregen, alles grau in grau. Gegen 9:00 Uhr kommt der isländische Segler, der uns den Plotter-Spezialisten vermitteln will. Er versucht, ihn telefonisch zu erreichen und kommt mit der Auskunft, dass dieser heute noch Urlaub hat und erst morgen wieder da sei, na prima!!
Der isländische Segler sagt uns zu, dass wir von ihm die uns fehlenden Detailkarten bekommen könnten. Und bald kommt er auch damit an, 8 Karten suchen wir uns raus und versprechen, ihm diese natürlich zurück zu schicken. Sehr freundliche, hilfsbereite Menschen!!

Inzwischen ist es 10:00Uhr, wir beschließen abzulegen und mit den Karten zu segeln. Inzwischen regnet es, der Wind kommt schwach aus NW. An Segeln nicht zu denken. Jörg berechnet zur Kontrolle der Instrumente unseren Kurs, den wir fahren müssen (falls wir nichts sehen). 6° sind zu steuern, unsere Instrument zeigen an: Kompass 2°, Selbststeueranlage 9° und der Plotter innen Kurs über Grund 13°. So könnte es also klappen.
11:15 Uhr ein Aufschrei, Jörg hat sich erinnert, wie man bei italienischen Plottern einen Gerätetest und Neustart mit drücken der Taste CLEAR und POWER ausführt und es klappt. Nun muss „nur noch“ der Reihe nach alles ausgeführt werden, um alle Funktionen zum Laufen zu bringen und es klappt. Wir haben wieder einen funktionierenden Plotter.
11:50 Uhr ist das Kap Snäfellfanes querab, 13:50  Uhr das Kap Ritur, alles aber kaum zu sehen, da in den Wolken. 14:50 Uhr erreichen wir Kap Straumnes mit Leuchtturm. Seenebel macht sich breit.
Wir setzen die Segel, da inzwischen Wind mit 2Bft aus N kommt, lassen den Motor mit 1500 Umdrehungen aber mitlaufen. Die Dünung schaukelt unser Boot tüchtig und die Segel knallen sehr hin und her, aber immer noch besser als bei 5Bft und hohen Wellen. Schön sind die vielen Seevögel, die immer wieder in Formationen an uns vorbei fliegen, z.B. die schwarz-weißen Lummen oder die weißen Seeschwalben.
17:45 Uhr sind wir am Kap Horn. Ja, so etwas gibt es auch auf Island. Der Felsen sieht auf der Seekarte wie ein Horn aus, wir sehen davon etwa die Hälfte, der Rest ist in den Wolken. Später klart es etwas auf und es gibt tolle Bilder. Ab dem Nord-Kap geht es Richtung SO, wir müssen etwas weiter rausfahren, da die Küste mit Untiefen gespickt ist. Nur gut, dass der Potter funktioniert.

P1100861.JPG  P1100863.JPG  P1100869.JPG

Segelwind kommt aber nicht, die angekündigten 3Bft werden es einfach nicht. 22:50 Uhr haben wir den Leuchtturm Selsker querab – es ist noch hell. 23:30 Uhr tasten wir uns in den Fjord Nordurfjördur langsam vor, weder auf den Seekarten noch auf dem Plotter ist ein Hafen eingetragen und Tiefenlinien schon gar nicht. Wir wissen aber vom Hafenmeister aus Reykjavik und von Dirk Kaiser, dass man hier anlegen kann. 0:00 Uhr ist das Boot an einer Stahlpier mit Gummireifen ordentlich vertäut, bei einer Tiefe von 5,8m gibt es bei einem Tidenhub von 2m keine Probleme.
Nach 76sm sind wir in Nordurfjördur angekommen.

P1100873.JPG  route21.7..jpg  P1100876.JPG  


Dienstag, 22.7.:

Hafentag in Nordurfjördur: Wir gehen zum Fischerhafen, dort sind Verkaufsladen, Tankstelle, Cafe und Pension und erkundigen uns nach dem Weg zum Hot Pot. Und schon können wir mit unseren Badesachen losmarschieren. 2,5km entlang der Küste und dem Krossnesfjall. Schafe, Vögel und wir sind die einzigen Lebewesen, ein Bach plätschert immer mal wieder den Abhang runter- Idylle.
Im Hot Pot sind wir für ½h allein, dann kommen weitere Besucher und es wird voll. Das Bad und auch ein in der Nähe befindliches Bauernhaus wird mit den ~ 60°C heißen Quellen beheizt.

P1100893.JPG   P1100884.JPG  P1100885.JPG  

Ja im 34° bzw. 37°C heißem Wasser zu baden und dabei das Meer rauschen zu hören, ist schon ein Hochgenuss.
12:00 Uhr wandern wir zurück, schon auf dem Hinweg haben wir bemerkt, dass es hier viel Treibholz gibt, das gesammelt wird. Im Museum in Isafjördur haben wir gelesen, dass dieses Holz von Sibirien hierher treibt und wegen seiner Festigkeit eine gute Einnahmequelle für die am Meer liegenden Bauerhöfe ist. Ja und langsam sind auch die Gipfel einiger Berge zu sehen, leider aber nicht der Gletscher Drangajökull.

  P1100890.JPG  P1100880.JPG  P1100895.JPG

Jörg nimmt den Plotter noch einmal auseinander, da er nicht zuverlässig arbeitet. Und siehe da, ein Beinchen eines Kondensators ist abgerissen – also anlöten (nicht einfach bei so einem kleinen Teil). Hillu geht ins Kaffee, Emails kontrollieren und fotografieren. Schön ist es, wenn die Sonne scheint.

  P1100912.JPG   P1100914.JPG   P1100904.JPG

Und nun das nächste Problem, Jörg‘ Zähne machen Schwierigkeiten. Vorbeugend nimmt er Antibiotika, aber ein Zahnarzt wird gebraucht. Gibt es hier natürlich nicht, 2 Autostunden weiter ist einer. Wir wollen es in Akureyri versuchen.
22:00 Uhr scheint die Sonne immer noch, wird es endlich Sommer?

Mittwoch, 23.7.:


7
:00 Uhr verlassen wir den kleinen geschützten Hafen. Die Sonne scheint, am blauen Himmel sind nur vereinzelt Wolken. Nach 1h können wir bei Wind aus SSO mit 2 bis 3Bft segeln.
Westfjorde ade, wir queren den Hanaflöi Richtung Nord-Island. Die Küste der Westfjorde ist 2000km lang, das entspricht einem Drittel der Küste des ganzen Landes. Nach Grönland sind es nur 300km. Die Westfjorde sind ein Vogelparadies, es gibt hier reichlich Nahrung und Unterschlupf.
Der Wind ist sehr wechselhaft in Richtung und Stärke, sodass wir mehrfach den Motor zur Unterstützung nutzen müssen. 13:20 Uhr haben wir das Leuchtfeuer Skagata querab, die Halbinsel Skaga-Heidi ist erreicht. Am Horizont können wir die höchsten Gipfel der Westfjorde gerade noch erkennen – die Sicht ist sehr gut. Bald segeln wir Richtung schneebedeckte Berge von Tröllaskagi, Halbinsel der Trolle. Dort gibt es einige Gletscher. Und nach einigen Wenden – der Wind hat auf NO gedreht – ist auch schon unser nächster Fjord zu sehen. Da geht es dann Richtung Akureyri. Fotografiert habe ich schon heute, wer weiß ob die Sonne scheint, wenn wir dort sind. Heute biegen wir einen Fjord vorher ab, den Siglufjord. Der Fjord ist relativ kurz und flach, wir müssen genau nach Plotter fahren.
20:15 Uhr haben wir ein Plätzchen an einem Schwimmsteg im Fischerhafen gefunden. 70sm haben wir zurückgelegt.

P1100921.JPG  P1100924.JPG   route23.7..jpg

P1100932.JPG   P1100940.JPG   P1100943.JPG

Und die Sonne scheint 23:00 Uhr sehr schön.

P1100941.JPG  P1100945.JPG

Donnerstag, 24.7.:


8:00 Uhr fahren wir zum größeren Hafen, um zu tanken und Wasser zu bunkern. Dabei können wir das Entladen eines Fischkutters beobachten und bekommen einen ½m langen Dorsch geschenkt. Und dazu noch die Adresse eines Zahnarztes hier im Ort. So machen wir uns gleich auf die Suche und haben Glück. Jörg bekommt heute Abend einen Termin. D. h. wir bleiben hier in Siglufjördur und bringen das Boot wieder zum alten Platz.

 
P1100953.JPG  P1100947.JPG  P1100976.JPG

Nun bleibt auch Zeit und Muße für das Herings-Museum, das man unbedingt sehen muss. Die Ausstellungen sind in 3 Gebäuden und spiegeln insbesondere die Zeit ab 1900 wider. In Siglufjördur spricht man von der 2. Landnahme (1903) durch die Norweger, die dazu führte, dass dieser kleine Ort zur wohl berühmtesten Heringsstadt der Welt aufstieg. Viele Jahre lang machten Hering und Heringsprodukte sogar bis zu 35% der Gesamtexporterträge Islands aus. In diesem „Klondyke des Nordatlantiks“ herrschte eine wahre Goldgräberstimmung. Die Heringsverarbeitung kann wohl zu Recht als 1. Großindustrie auf Island bezeichnet werden.
1969 verschwand der Hering, die norwegisch-isländischen Bestände waren überfischt. Jetzt soll er dank des strengen Schutzes der Jungfische wieder da sein.
Die Roaldsbaracke, eins von den drei Museumsgebäuden, war eine der größten Heringsstationen in Island mit 4 Ladebrücken. 1916 wurden hier 30.000 Fässer Hering eingesalzen, bis 1968 wurde hier gearbeitet.

 P1100966.JPG  P1100970.JPG  
P1100971.JPG

Nachdem wir uns einen kleinen Teil des Dorsches zum Mittag zubereitet haben, nutzen wir vom Campingplatz die Waschmaschine und informieren uns in der Touristen-Info über mögliche Wanderwege. Und 18:00 Uhr geht’s zum Zahnarzt. Eine Stunde hat dieser zu tun, und wir hoffen, dass dieses Problem nun auch gelöst ist.


Freitag, 25.7.:

7:30 Uhr, die Sonne scheint und es sind 16°C, hurra!!! Wir verlassen diesen am Ende des Fjords wunderschön gelegenen Ort.

P1100981.JPG   P1100982.JPG

Das Nordpolarmeer ist spiegelglatt, keine Welle, kein Wind. Zuerst 1 Stunde gen Ost, dann geht es in den Eyjafjördur mit seinen schneebedeckten Gipfeln besonders auf der Backbordseite. Überall Wasserfälle, die schon von weit oben aus den Schneefeldern sich als Bäche bilden und in das Meer ergießen. Die kleine Insel Hrisey (ist aber Islands zweitgrößte Insel), die sogar über einen Flugplatz verfügt, bleibt steuerbord. 
Man wirbt hier damit, dass man im Orkulind die Kraft des Berges Kaldbakur auf sich wirken lassen kann. Wir brauchen das nicht und fahren vorbei. Aber etwas eigenwillig sieht die Insel schon aus.

P1100997.JPG  P1100990.JPG  P1100999.JPG

Der Fjord Eyfafjördur schneidet sich 34sm ins Land, an seinem Südende unser heutiges Ziel Akureyri. Wind ist, wie vorhergesagt, wenig und wenn vorhanden, kommt er aus der Richtung, in die wir wollen. Nachmittags versuchen wir es 2h mit kreuzen, aber bei 1 bis 2Bft und Gegenströmung wegen der Ebbe, ist es kein richtiges Vorwärtskommen. So wird es heute eine überwiegende Motorfahrt. Am Fjord gibt es mehrere kleine Orte, alle durch Straßen verbunden. In den Tälern und am Ufer besonders im südlichen Teil reiche Vegetation mit Wiesen und Weiden und sogar etwas Wald. Dunkler Basalt ist die Hauptgesteinsart.

  route25.7..jpg

Nach 9h für die 40sm sind wir in Akureyri angekommen, der Sportboothafen ist zu flach. So haben wir an einer Pier im Werftbereich festgemacht. Geregnet hat es heute nicht, die Sonne hat sich meist gezeigt. Bei etwas mehr Wind oder aus einer günstigeren Richtung wären wir heute vollends zufrieden gewesen.
Wir gehen zur Touristeninfo, die sich im Konzerthaus Hof befindet und schauen uns den „Gäste-Segelhafen“ an. Wie man uns schon gesagt hat, es ist ein !!!! Platz für ein Gästeboot da und der ist belegt. An der gegenüberliegenden Seite ist eine ziemlich vergammelte Pier. Ja, in Akureyri scheinen die Segler keine Lobby zu haben – das große Geld macht man mit Kreuzfahrtschiffen.

  P1110002.JPG  P1110005.JPG  P1110007.JPG

Wir gehen zur Bibliothek, um dort das freie Internet zu nutzen. In der Info gibt es sowas nicht.
Nach dem Abendessen entscheiden wir, doch in den Segelhafen zu gehen, die Reifen an der Pier sind für unsere Bootsgröße bei der Tide unmöglich. Wir legen uns ins Päckchen an ein Alu-Boot, das an der vergammelten Pier liegt. Abend ist es noch angenehm warm (14°), wir sitzen bis 23:00 Uhr in der Plicht und freuen uns über die durch den Sonnenuntergang angestrahlten Wolken.

  P1110008.JPG  P1110018.JPG  P1110017.JPG

Sonnabend, 26.7.:

Hafentag in Akureyri, die Sonne scheint. Nach dem Plan von der Touristeninfo machen wir den Stadtrundgang:

·       Monument der Siedler mit schöner Aussicht besonders in nördlicher Richtung in den nördlichen Eurafjord

·       Davidshus (Museum für einen Nationaldichter des Landes)

·       Hafnarsträti (beheizte Fußgängerzone im Stadtzentrum)

·       Freitreppe mit Akureyrarkirka (ebenfalls vom Baumeister des Doms in Reykjavik gebaut), Kirche leider Samstag geschlossen, daneben das in den Hang gebaute, architektisch interessante Kongregationsgebäude

·       Botanischer Garten (mit gesamter isländischer Flora und grönländischen Pflanzen) und einem beliebten Cafe, sehr schöner alter Baumbestand

·       Altstadt (gut restauriert) mit Nonnahus und alter Kirche (1846)


P1110023.JPG  P1110025.JPG  P1110028.JPG

 P1110031.JPG  P1110034.JPG  P1110042.JPG

Da der Alu-Kahn wegfährt, verlegen wir unser Boot direkt an die Pier.
Nach dem Mittagessen beginnt es zu regnen, also erstmal eine längere Pause an Bord. Danach Einkaufen, in der Hafnarstäti bummeln und das Konzerthaus von innen ansehen. Durch die Glasfenster können wir unser Boot fotografieren. Und wir haben Superglück: 18:00 Uhr beginnt ein
2-stündiges Konzert mit einem Kammerorchester, sehr schön!!!


P1110047.JPG  P1110046.JPG 
        

zurück zur Übersichtsseite