Sonntag, 10.8.2014:
Hafentag in Höfn.
Heute nicht das beste Wetter, vormittags kümmern wir uns um das Tanken. Jörg
hat einen Fischer angesprochen und der
hat gleich seine Arbeit liegengelassen und ist mit ihm zur N1-Tankstelle im Ort
gefahren. Dort hat er sich nicht abweisen lassen und hat den Chef mit zum Hafen
gebracht, der uns dann auch Fischer-Diesel verkauft hat. Bezahlen mussten wir
allerdings in der Tankstelle. Auf dem Rückweg waren wir gleich einkaufen, der
Supermarkt Netto hat Sonntag ab 12:00 Uhr geöffnet. Und alles im Regen, zum
Wandern war uns das Wetter zu schlecht. Schwimmen, Hot Pot und Sauna passte bei
dem Wetter besser, allerdings bis auf die Sauna alles draußen. Abends immer
noch Regen und auch nachts und der Wind hat das Boot auch im Hafen tüchtig
bewegt.
Montag,
11.8.:
Hafentag in Höfn.
Sonne scheint schon beim Aufstehen, da ist die Welt gleich freundlicher.
Und wir nutzen das Wetter zu
Wanderungen. Vormittag das Vogelschutzgebiet Ösland südlich vom Hafen. Glück hatten
wir, dass die Seeschwaben wohl schon fertig mit Brüten sind. Sonst hätten sie
uns bestimmt mächtig attackiert. Es ist zwar immer noch reichlich viel Wind,
aber in der Sonne läuft es sich gut und die Landschaft mit dem Panorama rund um
Höfn hat was.


Nachmittags die Wanderung in die nördliche Umgebung der Stadt, vorbei am
Camping- und am Golfplatz. Und immer noch bei Sonnenschein und Wind. Heute
sollen wir zum Abschied nochmal richtig verwöhnt worden. Die Winddaten sind für
die nächsten beiden Tage: Wind aus nördlichen Richtungen mit maximal 6Bft. Wann
wir lossegeln, entscheiden wir morgen früh.
Dienstag,
12.8.:
Hafentag in Höfn, der Wind ist uns
(vor allem mir) noch zu stark. Pflege, Saubermachen, …. ist fürs Segeln die Alternative.
Draußen ist es uns zu ungemütlich. Es regnet zwar nicht, aber durch den Wind
ist es kalt.
Abends sind wir auf die „Snow Goose“ von Gisela und
Walter eingeladen. Sie liegen uns am Steg gegenüber. Wir erleben einen sehr
netten Abend, außer uns sind noch ihre Bootsnachbarn, ein norwegischer Skipper
mit seiner Crew (1 Engländer und 1 Faröer)
eingeladen. Wir bedauern unsere schlechten Englisch-Kenntnisse, aber mit
Übersetzung oder auch ohne können wir uns irgendwie doch verständigen. Danke
Gisela und Walter!
Ein
kleines Fazit zu Island, auch wenn es schwerfällt, das Wesentliche in Kürze
zusammenzutragen. Der Anfang ist einfach, weil rechnerisch: vom „Landfall Island“ bis Höfn waren
wir 1013sm unterwegs, gesegelt sind wir an 18 Tagen, für Besichtigungen,
Ausflüge und Wanderungen hat unser Boot 27 Tage im Hafen verbracht. Aufgefallen
ist die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Isländer. „Geht nicht, gibt es
nicht“. Wenn man selbst nicht helfen kann, kennt man jemanden, der helfen kann
bzw. der kennt jemanden, der helfen kann. Und alle Strecken werden mit dem Auto
zurückgelegt – und wenn es nur 100m sind. Nicht umsonst ist die
durchschnittliche Anzahl von Autos pro Einwohner in Island die größte in
Europa. Und deshalb gibt es außer in den Großräumen von Reykjavik und Akkureyri keinen öffentlichen Busverkehr. Da müssen die
Isländer sich wohl noch umgewöhnen. Auf dem Land von A nach B mit dem Bus zu
kommen, ist nicht einfach, wenn man kein Auto hat. Einige Strecken werden durch
private Anbieter, die aber reichlich teuer sind, abgedeckt oder durch
Reiseveranstalter, die noch teurer sind. Rucksacktouristen versuchen meist per
Anhalter zu fahren. Die Landschaft – auch wenn wir nur einen kleinen Teil
gesehen haben- ist beeindruckend. Die Anzahl der Regentage war unnormal hoch –
zumindest behaupten dies die Isländer. Bestätigt wurde das aber auch von
Touristen, die schon mehrfach hier waren. Einen Liegeplatz haben wir immer
gefunden – selten in nicht ausreichender Qualität. Strom und Wasser war meist
vorhanden, außer in Reykjavik und Heimaey waren die
Liegeplätze kostenlos. Und ein Hinweis für über 65-Jährige: es lohnt sich nach
dem Preis für Senioren zu fragen, von 0 bis 100% Rabatt war alles drin. Dabei
wird sowohl die Altersgrenze als auch der Rabatt sehr variabel benutzt.
Es war für mich zwar keine neue Erfahrung unter blauem Himmel neben
schneebedeckten Bergen zu segeln, es ist aber einfach schön. Etwas ungewohnt
die schnell wechselnden Wetterbedingungen, einen ganzen Tag Sonnenschein, am
nächsten Tag nur Regen. Viele Segler sind hier nicht unterwegs, meist waren wir
im Hafen die Einzigen und damit das Ortsgespräch bzw. Besichtigungsobjekt.
Gegenüber 2006 sind aber erheblich mehr Segler hier. Damals hatte mir (Jörg)
der Hafenkapitän von Reykjavik erzählt, dass ca. 30 Segler pro Jahr Island
besuchen. Einhand war ich in damals der Einzige im
Jahr 2006, der Island rundete.
Besonders beeindruckend auch unsere Ausflüge etwas weg von der Küste. Das
richtige Hochland mit seinen Naturschönheiten mussten wir auslassen, da sollte
man Rucksacktourist oder mit einem Jeep mit Allradantrieb unterwegs sein –
sicher nicht weniger interessant. Alles geht eben nicht.
Mittwoch,
13.8./ Donnerstag, 14.8.:
6:00 Uhr klingelt der Wecker, die Sonne
lacht vom blauen Himmel, für 7:00 Uhr ist Customs zum
Ausklarieren angemeldet. Wir bekommen unseren Stempel und 7:30 Uhr heißt es
„Leinen los“. Das Herausfahren aus dem Hafenbereich, dieses Mal noch etwas
gegen den Strom, leichter, da wir noch von der Einfahrt her Bescheid wissen. Draußen
sehr wechselhafter Wind, ab 10:00 Uhr kommen die versprochenen 3Bft aus Nord,
bei 12°C genießen wir die Blicke auf Island. Mit einem Reff im Groß laufen wir
mit Halbwind 7kn (Generalkurs 120°).

14:00 Uhr die versprochenen 4 bis 5Bft, mit 1. Reff in der Fock und 2. Reff im
Groß weiter gutes Segeln. Uns so sollte es laut Vorhersage der „Wetterfrösche“
bleiben. Ja, ja die Vorhersagen!! Nach 2 Stunden ist es mit dem friedlichen
Segeln vorbei. Das Einzige was stimmt ist die Windrichtung, es bleibt bei Nord.
Bei 7 bis 8Bft und 3 bis 4m hohen Wellen heißt es nun alles reffen, was geht.
Das Wasser schlägt über dem Boot zusammen, die gefühlte Temperatur sinkt auf
0°C oder weniger. Hillu liegt unten und Jörg muss die Nacht alleine
durchstehen. Auf „Guste“, unsere Windsteueranlage ist
Verlass, sie steuert brav durch die Wellen bei einer Geschwindigkeit von 7 bis
9kn. An Schlaf, auch Minutenschlaf, ist nicht zu denken. Die Segel schlagen bei
jedem wellenbedingten Sonnenschuß wie verrückt.
Bemerkenswert sind die sich brechenden Wellen. Sie fluten das Luvdeck und das Kajütendeck. Eine
Härte diese Nacht. Tröstlich ist der Vollmond, er scheint stückweise hell und
spiegelt sich im Wasser, eine gute „Botschaft“. Man fühlt sich nicht so einsam
und hat einen Begleiter. Unser Etmal ist für den 1. Tag 162sm.
Donnerstag früh beruhigt sich der Wind merklich, die Brecher über das Boot
lassen langsam nach. Gegen Mittag dann nur noch 3Bft, die Dünung steht mit 3m –
immer noch unangenehm, aber da sie achterlich kommt,
für Hillu zu verkraften. Sogar ein leichtes Mittagessen ist möglich. 16:00 Uhr
der Ruf „Land in Sicht“ (mit dem erforderlichen Ritual), die Insel Mykines ist im Abstand von ~35sm deutlich am Horizont zu
erkennen. Ab 19:30 Uhr nehmen wir die Segel runter, sie schlagen zu stark in
den Wellen bei ca. 1 Bft. „Gustav“ übernimmt das
Steuern. 23.00 Uhr erreichen wir Mykines und haben
eine sehr starke Gegenströmung bedingt durch die Springtide. Über Grund kommen
wir nur noch 1kn vorwärts. Um aus der Strömung rauszukommen, fallen wir
stückweise nach SW ab. Mit „ld log“ vom Handy und
Seekarte überprüft Hillu den Kurs, während Jörg den Autopiloten steuert. 1:30
Uhr ist das Schlimmste überstanden, wir kommen mit 3 bis 4kn über Grund
vorwärts.
Freitag, 15.8.:
6.00 Uhr nochmals zwischen Hestur und Sandoy sehr starker Gegenstrom mit teilweise 6-7 kn Speed
mit Wirbelbildung. Wir kommen 1 Stunde keinen cm voran Das Boot schlingert nur
so hin und her. Erst als Jörg die Fahrwasserseite wechselt und die Nährströmung
in der Nähe von Streymoy erreicht, ist ein normales
Vorwärtskommen möglich. Das Etmal für den 2. Tag 107sm.

9:15 Uhr(Ortszeit) sind die Leinen in Torshavn auf
den Faröern nach 279sm fest. Am Schwimmsteg haben wir
einen guten Platz. Wir melden uns beim Hafenmeister und bei Customs
(Zoll) an, zahlen für 3 Tage 300Dkr und fallen dann todmüde und geschafft in
die Koje. Kurz vor 18:00Uhr schnell noch zur Touristen-Info, um die
Busfahrpläne zu erfahren und dann das Boot in Ordnung bringen. Jörg muss
einiges an Wasser im Bodenbereich entfernen. Durch die überschlagenden Wellen
ist einiges Salzwasser in die hinteren Backskisten
gelaufen. Ansonsten hat unser Boot dieses Mal alles gut überstanden und wir
sind inzwischen wohlauf und bei guter Laune.
Sonnabend, 16.8.:
Hafentag ist Wandertag, aber nur wenn das Wetter mitspielt. Wir
versuchen es, wenn auch nicht mit dem besten Erfolg. 9:05 Uhr geht der
Linienbus zur Insel Vagar. Zuerst fahren wir auf Streymoy an der Küste entlang. Es regnet und es gibt
unzählige Wasserfälle auf beiden Seiten der Buchten. Dann durch den 4900m langen
Unterseetunnel, der Streymoy mit Vagar
(bedeutet „Buchten“) verbindet. Auch auf Vagar das
gleiche Bild. Wir fahren vorbei am Flughafen bis nach Sorvagur,
von dort kann man am Wochenende mit Anschluss an den Bus die Fähre nach Mykenes, einem Wander- und Vogelparadies, benutzen. Wir,
bei dem Wetter nicht, dafür schauen wir uns im Hafen um, ob unser Boot dort
liegen könnte. Ja, es kann, wenn auch nicht sehr komfortabel. Der Ort ist recht
nett, sogar dort stürzen mehre Bäche/Flüsse ins Meer. Die mögliche Wanderung
zum Fjallavatn fällt aus und auch die Wanderung nach Böur „mit seinen fantastischen Blick auf kleine Inseln und
Riffe vor der Küste“, wir fahren per Anhalter zum nächsten Ort, nach Midvagur.
Midvagur liegt sowohl am größten Binnensee der Faröer als auch am Meer. Das dortige Kriegsmuseum meiden
wir – ist nicht unser Ding. Unser 1. Ziel, der Hafen, auch hier könnten wir gut
liegen. Dort weiter durch den schönen Ort und da es inzwischen Mittag ist,
versuchen wir ein Restaurant oder Hotel zu finden. Also bergauf, dort sieht ein
Haus so aus, als wäre es ein Hotel. Nach unserer Frage, nach einem Cafe, lädt
uns die angesprochene Frau zu einem Kaffee ein. Wir stellen fest, dass wir in
einem Altenpflegeheim gelandet sind, trinken dort im Speiseraum den Kaffee und
haben eine nette Unterhaltung. Und draußen regnet es immer noch. Wir
beschließen, dass wir nun genug von dem regen haben und mit dem Bus
zurückfahren könnten. Der fährt zwar eigentlich direkt vom Flughafen nach Torshavn. An der Haltestelle winken wir, der Bus hält
außerplanmäßig an und nimmt uns mit. Alles nette, freundliche
Landsleute hier!! Vorbei an Sandavagur mit seiner
malerischen Dorfkirche geht es den gleichen Weg zurück, dieses Mal mit besserer
Sicht auf die Berge.
15:00 Uhr sind wir an Bord, es gibt zwar dann noch einige Regenpausen, aber um
viel zu unternehmen, reichen die uns nicht. So klönen wir einfach an Bord und
stellen fest, dass wir wohl die nächsten Tage wegen des Windes - es sind auf
See 36kn Wind (8Bft) im Seeraum zwischen den Farös und Shetland angesagt -
hier bleiben. Morgen wollen wir mit dem Bus nach Klaksvik
fahren. Und das soll uns morgen erwarten (siehe Wetter Vorankündigung).
