Sonntag, 17.8.2014:
Von heute gibt es wenig zu berichten. Da es sowohl über Nacht als auch morgens
stark geregnet hat, sind wir nicht nach Klaksvig
gefahren. Und es blieb auch den gesamten Vormittag so. Ab Mittag dann
Regenschauer und Sonne im Wechsel, wir sind etwas in der Stadt unterwegs
gewesen und haben die Altstadt mit all ihren hübschen Häusern mit den
Grasdächern nochmals besichtigt. Inzwischen habe ich gelesen, dass der
Premierminister der Faröer dort sein Büro hat. Die Faröer sind seit 1948 mit eigener Regierung und Verwaltung
selbständiges Mitglied des dänischen Reichsverbandes, sie sind nicht Mitglied
der EU und haben ihre eigene Flagge. Die Währung ist die gleiche wie die
Dänische, sie geben aber eigene Geldscheine vom gleichen Wert heraus. Das alles
bei einer Einwohnerzahl von knapp 50.000 und einer Fläche von 1399km². Das
herrschende Seeklima bedingt sehr wechselhaftes
Wetter – wir konnten es heute erleben. Eine schöne Blumenpracht ist das
Ergebnis.


Nun schauen wir dreimal täglich nach dem
Wetter, morgen soll der Wind auf See wieder mit 8 Bft
blasen, das werden wir uns nicht antun. Also weiterer Hafentag
und mit hoffentlich weniger Regen.
Montag,
18.8.:
Hafentag heißt eigentlich Wandertag – bei uns heute vor allem
Busfahrttag. 9:25 Uhr mit dem Bus nach Klaksvik,
unterwegs „stimmungsvolle Bilder“, Regen und Sonnenschein lösen sich ständig
ab. Die Straße führt entlang der Ostküste der Hauptinsel Streymoy,
immer wieder durch schöne Dörfer an den Fjorden und an Sundini.
Sundini ist die schmale Durchfahrt zwischen den
beiden größten Inseln der Faröer Streymoy
und Eysturoy. Die Brücke darüber nennt man manchmal
die einzige Brücke über den Nordatlantik. Um die Hauptpfeiler ein mächtiger
Gezeitenstrom!! Esturoy wird bis Leirvik
überquert. Auffallend, dass es an mehreren Orten zur Hauptbuslinie Nebenlinien
mit Zubringerfunktion gibt – alles sehr gut abgestimmt. Da könnten sich die
Isländer ein Beispiel nehmen. Und das bei günstigen Buspreisen (wir haben
45Kronen pro Person für die 75km bezahlt, allerdings Seniorpreis). Von Leirvik durch den 6,2km langen Unterseetunnel (bis 150 m
unter der Meeresoberfläche) zu den Nordinseln mit Bordoy
als Hauptinsel und Klaksvik als zweitgrößten Ort der Faröer.

10:50 Uhr in Klaksvik-Zentrum angekommen, erster Gang
zur Touristeninfo und gleich daneben ein Wikinger-Schiff.
Nicht weit davon die Christianskirche, 1963 erbaut,
die erste neuzeitliche Kirche Skandinaviens, die im altnordischen Stil erbaut
wurde. Der Glockenturm freistehend in einiger Entfernung.

Beim Weiterlaufen überrascht uns der nächste Regenschauer, vor dem wir in ein
Cafe flüchten und einen leckeren Latte trinken. Dann
ein kurzer Hafenrundgang bevor der nächste Schauer uns am Weiterlaufen hindert.
Wir beschließen, uns den Ort per Stadtlinie, die übrigens kostenlos ist und von
den Kindern der Stadt auch ausgiebig genutzt wird, anzuschauen. Der Hafen von Klaksvik liegt in einer sehr geschützten Bucht, deshalb
entwickelte er sich zum bedeutendsten Fischereihafen der Faröer.
Und da es nicht aufhört mit dem Regen, wird nicht gewandert, sondern bereits
14:20 Uhr der Bus nach Torshavn genommen.
Die Fahrt durch die grandiose faröische Natur wieder
ein Erlebnis. Unterwegs überlege ich, was es mehr gibt: Bäche/Wasserfälle oder
Schafe – zu einem Ergebnis bin ich nicht gekommen.

In Torshavn ähnliches Wetter, vielleicht ist die
Sonnenscheindauer vor dem nächsten Regenschauer etwas länger. Nach der neuesten
Wetterkarte ist morgen das Tief vorbeigezogen, der Luftdruck ist auch noch oben
geklettert, ringsum werden aber noch Sturmwarnungen ohne Ende ausgerufen.
Morgen werden wir auf keinen Fall auslaufen. Mal sehen wie das endet. Auf jeden
Fall werden die Wetterprogramme von uns und allen umliegenden Schiffen
strapaziert.
Dienstag, 19.8./ Mittwoch, 20.8.:
Vormittags benutzen wir die
Stadtlinie für eine kostenlose Stadtbesichtigung. Bei Sonnenschein sehen wir
uns das Haus des Nordens an, ein architektonisch gelungener Bau. Nicht protzig,
aber dennoch mit viel Glas gestaltet – ein gemeinsames Bauwerk der nordischen
Länder. Innen Konzert-und Konferenzräume, ein gemütliches Restaurant mit
schöner Aussicht auf die Stadt und das Meer. Wir
schauen uns eine Austellung mit Kunstwerken aus Glas an.


Wieder an Bord erneut Wetterbericht laden
und die Entscheidung, wir laufen heute Abend aus. 17:50 Uhr erst mal zum Tanken
und 18:20 Uhr geht es dann richtig los, mit dem Motor aus dem Hafenbereich und
dann gleich Segel gesetzt. Die ersten 19sm sind schön, der Wind mit 4Bft aus
NNO, wenig Welle und Sonne. So sieht der Abschied von den Faröern
aus.

Nicht mehr im Schutz der Insel Nelsoy wird es ungemütlicher, die Dünung 2 bis 3m und der
Wind nimmt auf 6Bft zu und kommt aus N. Jörg refft alle Segel durch, wir laufen
mit achterlichem Wind den Kurs von 130°, Wellenhöhe
4m. Nichts mehr für mich, ich verschwinde in die Koje und Jörg muss die Nacht
alleine an Deck durchstehen. Weder Sterne noch Mond sind über Nacht zu sehen,
es ist „dunkel wie im Bären-…..“! Erst am Morgen nimmt der Wind ab und dreht
auf NO, Dünung immer noch 3m. Das Etmal für den ersten Tag ist 147sm. Beim 3.
Großsegelreff einlegen habe ich in der Dunkelheit eventuell die unterste Latte
zerbrochen. Sie war mit der Reffleine unklar. Ich
habe 1h gebraucht, um sie zu klarieren. War zwingend, da ich das 3. Reff
brauchte.
Die 2. Nacht wird angenehmer, die Sterne einschließlich die
Milchstraße sind super gut sichtbar. Allerdings müssen wir ab 22:00 Uhr mit
Motor fahren, die Geschwindigkeit unter Segel nimmt auf 2kn ab, die Segel
schlagen so in der Dünung, dass man befürchten muss, es geht etwas kaputt. Ist
ja auch, eine Befestigung des Mast-Rutschers an der
2. Latte hat sich losgerüttelt. Das Segel ist an diesem Punkt nicht mehr am
Mast angeschlagen. Muss im Hafen repariert werden.
Donnerstag, 21.8.:
Der Mond spiegelt sich im Wasser, das lässt das Motorgeräusch angenehmer
wirken. Der Sonnenaufgang schon vor den Shetlands.
6:30 Uhr runden wir Sumburgh
Head, der Wind kommt mit 2Bft aus NO, wir kreuzen in Richtung N.

11:35 Uhr Leinen fest in Lerwick. Für die
240sm haben wir 40½h gebraucht, 187sm davon segelnd. Wir melden uns beim
Hafenmeister an und schlafen erst mal aus. Dann zum Yachtclub Lerwick, 3 Maschinen Wäsche + Trockner und Internet, zur
Touristen-Info Busfahrpläne organisieren und abends nach einem genussvollem
Gläschen Wein nochmal fehlenden Schlaf nachholen. Dazwischen Fotografieren
dieses Maxi-Racers, der uns gegenüber liegt.

Freitag,
22.8.:
Vormittags Boot aufklarieren.
Jörg hat einiges zu reparieren: Mastrutscher
reparieren, unterste Latte überprüfen, Steuerrad Befestigung nachziehen,
nochmals Reparaturversuch am Plotter, Diesel tanken, eine Flasche Gas kaufen
und noch eine Maschine Wäsche durchlaufen lassen.
Nachmittags wollen wir mit dem Bus nach Scalloway
fahren, hoffentlich ohne Regen. Heute ist wohl hier das typisch schottische
Wetter, mal Regen, mal Sonne.
Und es bleibt auch so, hält uns aber nicht ab von Scalloway.
Kleine Ortsbesichtigung der Hauptstadt im 17.Jahrhundert, dann zum Castle Scalloway, das 1971 in die schottischen Denkmallisten in
der höchsten Kategorie A aufgenommen wurde. Die Ruine befindet sich auf einer Landzunge am südöstlichen Ende von Scalloway gegenüber dem Hafen. Sie weist einen L-förmigen
Grundriss auf und ist heute noch teilweise bis zur vollen Höhe von vier
Stockwerken erhalten. Das Dach ist hingegen ebenso wie die Zwischenböden
eingestürzt. Scalloway
Castle wurde in den Jahren zwischen 1600 und 1607 für Patrick Stewart, Earl of Orkney und Lord of Shetland erbaut. Stewart
herrschte über die Inselgruppe wie ein König und war in der Bevölkerung
unpopulär. 1615, nur wenige Jahre nach Vollendung von Scalloway
Castle, wurde er in Edinburgh eingekerkert und verstarb.


Wir laufen zum Port Arthur, dort ein Fischerhafen. Die Fischer sind gerade
dabei, ihren Fang auszuladen und zu bearbeiten. Für uns fallen wiedermal zwei
schöne Fische ab – mindestens drei Mahlzeiten frischer leckerer Fisch. Wir
haben bis zur Busabfahrt eine Stunde Zeit, den Fischern bei der Arbeit
zuzusehen. Offensichtlich arbeiten sie genossenschaftlich. Die Fangergebnisse
sind von den Isländischen Ergebnissen weit entfernt (keiner). Die Möwen finden
die Eingeweide der Fische wohl auch sehr lecker.

Sonnabend, 23.8.:
Hafentag ist heute Wandertag. Mit der Fähre zur Nachbarinsel Bressay, dort quer über die Insel und das Ganze wieder
zurück. Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, ist dort richtig. Leicht hügelig,
Weideflächen für Schafe, Rinder und Ponys, verstreute Bauernhöfe und „Löcher“.
Interessant besonders die Mauern und überall dort, wo keine Schafe sind,
Heidekraut, dass die Flächen braun-violett aussehen lässt.


Heute abend oder morgen früh wollen wir mit dem
Segeln nach Norwegen beginnen. Die Wetterkarten gestern sahen ganz gut dafür
aus. Ich gehe zum Yachtclub, die Daten auf den Server speichern und neue
Wetterinformationen aus dem Internet holen.
Kurz vor uns legt der Racer mit Kurs auf England ab,
wir haben 18:50 Uhr die Leinen los und ab geht es Richtung Norwegen,
Generalkurs 112°.
Mit Groß und Fock aus dem Fjord, Wind aus N mit 4Bft, kaum Wellen, wunderbar.
Nach 1h ist die Süd-Ostspitze von Bressay erreicht,
der Wind nimmt auf 5Bft zu, also Groß reffen, und bei für uns achterlichem Wind die Geschwindigkeit von 7kn beibehalten.
Ahoi Shetlands!!!

Es ist eine sternenklare Nacht. 22:30 Uhr 1. Reff in die Fock, Wind mit 6Bft,
Wellen 2 bis 3m, Hillu lässt Jörg wieder alleine an Deck arbeiten, wird dafür
aber auch nicht seekrank.