Sonntag, 21.9.2014:
Diese Seite sollte es eigentlich nicht mehr geben!!!
Wir hoffen, dass wir nicht sehr viele weitere Wochen brauchen, um bis nach
Berlin zu kommen.
Über Nacht hat es stark geregnet, morgens sah alles freundlich aus. Da wir direkt
neben dem Campingplatz liegen, können wir die dortige Infrastruktur nutzen. Und
heute haben wir das getan, wo wir sonst immer keine Zeit hatten bzw. sie uns
nicht genommen haben: Stettin ausgiebig besichtigt.
Mit dem Bus ins Zentrum, dann zur Touristen-Info und von dort den zu Fuß
vorgeschlagenen Stadtrundgang (Rote Linie auf dem Bürgersteig) mit einigem
Weglassen. Die Info ist im Schloss der
Herzöge von Pommern. Erst in den 1980er Jahren wurde es im Stil der
Renaissance rekonstruiert. Das Schloss liegt an der nordöstlichen Ecke der
Altstadt, besitzt einen großen, quadratischen und einen kleineren, länglichen
Hof sowie zwei Türme und fungiert jetzt als Kulturzentrum.

Für uns erstaunlich, wie groß Pommern war. Vorbei am gotischen Loitzenhof
unterhalb des Schlosses, der Sitz der bedeutenden Kaufmannsfamilie Loitz, die durch den Salzhandel zu großem Reichtum kam und
als Bankiers in vielen Städten Nordeuropas vertreten war. Nächstes Ziel das Alte Rathaus, das aus dem 14.
Jahrhundert stammt und ab 1677 im barocken Stil wieder aufgebaut wurde. Nach
der Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges erfolgte die Rekonstruktion der
ursprünglichen gotischen Gestaltung. Die Nordfassade zum Neuen Markt erhielt
einen vereinfacht rekonstruierten, durchbrochenen gotischen Ziergiebel, die
Südfassade zum Heumarkt zeigt Formen der Renaissance und der Heumarkt selbst
mit seinen schön restaurierten Häusern.
Die St. Johannes Evangelist–Kirche ist das älteste und wertvollste
Architekturdenkmal von Stettin, der gotische Baukörper stammt aus dem 14. bis
15. Jahrhundert.


Die Jakobikirche wurde von den
Bürgern der stolzen Hansestadt nach dem Vorbild der Lübecker Marienkirche
errichtet. Die dreischiffige Hallenkirche war sehr reich ausgestattet.
Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs hatten einen Einsturz des damals
119 Meter hohen Turms und große Schäden am Kirchenschiff zur Folge. Die Kirche
wurde wiederaufgebaut, die Nordwand erhielt dabei eine moderne Fassade im Stil
der 1950er Jahre. Der Turmaufstieg gelang uns nicht, trotz zweimaligem Anlauf
(das 1.Mal zu voll, das 2. Mal Pause).

Berliner Tor und Königstor, die Peter- und Paul-Kirche, die Herz-Jesu-Kirche,
und das Postamt lagen auf unserem Weg.

Mittags haben wir uns in einem Restaurant neben dem Grumbkow-Palast
und dem Brunnen mit dem Adler gestärkt. Dann vorbei an der Neuen Philharmonie
(in 3 Jahren!!! fertiggestellt) Richtung Oder.

Nördlich der Altstadt entstand von 1902 bis 1921 das bekannteste
Bauensemble Stettins, die Hakenterrasse. Drei monumentale Großbauten stehen an
dieser Uferstraße: die Seefahrthochschule, das Stadtmuseum (heute Theater und
Meeresmuseum) sowie das Gebäude der Regierung von Pommern, das heute als Sitz
der Wojewodschaft Westpommern weiterhin seiner ursprünglichen Funktion dient.
Die flussseitige Straßenseite schmücken zwei Jugendstilpavillons und eine große
Freitreppe zum tiefer liegenden Fluss.
Weiter entlang der Oder über die neugebaute Promenade mit Anlegestelle für
Yachten. Zurück mit dem Bus zur Camping Marina und Füße hochlegen und abends
dieses Panorama mit Sonnenuntergang genießen.

Montag, 22.9.:
Vergebliche Versuche das Ruder auszubauen. Hillu fährt mit dem Zug nach
Hause, um das Auto abzuholen. (Fahrkarte von Stettin nach Berlin kostet
42,60 Zloty ~ 11€)
Dienstag, 23.9.:
Vergebliche Versuche das Ruder auszubauen
Mittwoch, 24.9.:
Gegen 18:30 Uhr erklärt uns der Hansevertreter in Stettin, dass er sich nicht
in der Lage sieht, die Reparatur auszuführen.
Jörg beschließt, ein Not-Ruder aus Holz zu bauen und entwickelt dafür den
Konstruktionsplan. Wir hoffen, dass er bis Freitag damit fertig ist, damit das
Boot vor dem Wochenende gekrant werden kann und wir dann unsere Fahrt nach
Berlin per Boot fortsetzen können.
Donnerstag, 25.9.:
Wir fahren in den nächstgelegenen Baumarkt und kaufen alles für das Not-Ruder
ein. Ab 9:30 Uhr beginnt Jörg mit dem Bauen. Gegen 16:00 Uhr ist er damit
fertig. Nun hoffen wir, dass der polnische Hanse-Vertreter sein Wort hält und
uns morgen Mittag ins Wasser krant. Dann könnten wir es vielleicht bis
Sonntagabend schaffen, im WSV zu sein.

Freitag,
26.9.:
Da früh ein anderes Boot ins Wasser gekrant
wird, entschließen wir uns, den Kranführer zu bitten, unser Boot ebenfalls zu
kranen. Dann fällt wenigstens die Abhängigkeit von dem polnischen
Hansevertreter weg (mit dem sind wir gestern im Streit auseinander gegangen).
Und es klappt alles, 9:30 Uhr schwimmen wir. Wir verlegen uns in die
Camping-Marina (das Not-Ruder
funktioniert!!!!), bringen alles an Bord in Ordnung, Hillu fährt einkaufen
und stellt dann das Auto in der Camping-Marina ab. Voraussichtlich Montag
werden wir es dort abholen.

12:20 Uhr ist es dann so weit, auf eigenem Kiel und funktionierender
Steuerung legen wir in Stettin ab. Nochmals die Altstadt von Stettin vom Wasser
aus genießen, dann auf der West-Oder bis zur Grenze. Das Wetter nicht sehr
freundlich, der Himmel ist bedeckt und Nieselregen begleitet uns. 15:30 Uhr
erreichen wir Mescherin – wir sind in Deutschland!!!
Heute fahren wir nur bis Garz. Dort kann man gut an
der Pier liegen, in Schwedt hatten wir wegen unseres Tiefgangs schon mal
Probleme, deshalb ist heute 16:25 Uhr Schluss mit der Motorfahrt. Alles in Ruhe
verdauen und freuen, dass es bis hierher gut geklappt hat. 22sm in 4h ist okay.
Sonnabend, 27.9.:
6:30 Uhr Motor an, Leinen los und weiter auf der West-Oder, Frühstück
unterwegs. Bald schon erleben wir ein tolles Naturschauspiel. Die Kraniche
fliegen in Scharen von den Oderwiesen über uns hinweg. Immer neue
Flugformationen von ihnen am Himmel. Gestern Abend haben wir sie schon gehört.
Dann aus dem Schilf Schwalben, die sich ebenfalls zum Abflug sammeln, der
Sonnenaufgang, dazu aufsteigender Nebel über dem Wasser –Romantik pur, soweit
wir dafür den Kopf freihaben.


6km hinter Garz erreichen wir die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße,
vorbei an Schwedt, Stolpe nach Hohensaaten. Es ist
noch kalt (9°C), heute scheint die Sonne, da ist es angenehmer als gestern.
Streckenweise mussten wir hinter einem polnischen Schleppverband fahren, ein
Versuch zum Überholen brachte uns leicht auf Grund. Also mit max. 3kn hinterher
zuckeln. Das Schleusen klappt problemlos sowohl in Hohensaaten
als auch im Schiffshebewerk Niederfinow. Immer wieder schön die Landschaft „Alte
Oder“. Am neuen Schiffshebewerk hat sich in den 4 Monaten einiges getan. Nach
Niederfinow wird es dann langweiliger, fast immer geradeaus auf dem Oder-Havel-Kanal.
Wir versuchen noch, die Schleuse Lehnitz zu
erreichen, klappt aber nicht, es wird dunkel. So legen wir zur Nacht 4km vor
der Schleuse an der Werft Malz an.

Sonntag früh fahren wir 6:30 Uhr los, der Schleusenbetrieb beginnt ab 7:00 Uhr.
Es ist noch ziemlich neblig und wir sind die Einzigen, die geschleust werden
wollen. So heißt es erstmal warten, nach 1½h haben
wir die Schleuse passiert und weiter geht’s über den Lehnitzer
See und den Oder-Havel-Kanal. Gegen 10:00 Uhr sind wir in Henningsdorf
und dann geht’s bald durch Berlin. Im Zentrum heißt es höllisch aufpassen, ein
Ausflugsdampfer nach dem anderen geht durch die Brücken, immer mit Voranmeldung
über UKW Kanal 10. Wir schaffen es ohne besondere Vorkommnisse, auch die
Schleuse Plötzensee und die Mühlendammschleuse lassen wir nach jeweils 20min
hinter uns. Ab Köpenick freuen wir uns auf das heimische Gewässer und dort
werden wir von unseren Sportfreunden mit lautem Hallo, Getröte
und einem Schluck herzlich begrüßt.

15:48 Uhr sind die Leinen unserer „Kreuz As blue“ im
WSV 1921 e.V. fest. Die 148sm von Stettin nach Hause sind geschafft und wir
sind super glücklich, wieder daheim zu sein. Der Ruderschaden hat uns 8 Tage
aufgehalten und wird uns sicher noch den Winter über beschäftigen einschließlich
der Folgeschäden, die beim Abschleppen aufgetreten sind.