Sonntag, 15.6.2014:
8:00 Uhr legen wir ab, bereits nach 20min
kann der Motor aus und wird auch nur die letzten 25in vor dem Anlegen in Bergen
gebraucht. 34sm unter Segel in 9h meistens gegen den Wind gekreuzt – nur
kürzere Teilstrecken war es mit halben Wind möglich. Der Wind kam aus NW mit 4
bis 7Bft, anfangs hatten wir das Groß 2xgerefft, dann war auch das zu viel und
es kam ein weiteres Reff dazu. Im Makstrafjord, Korsfjord und Raunefjord war nur
ein Reff in der Fock erforderlich, auf der Nordsee musste die Fock 2xgerefft
werden, Wellen dort etwa 1½m. Das Meer hat einen Vorgeschmack auf das
vermittelt, was uns in den nächsten Wochen wohl erwartet. Für meinen Magen noch
tauglich. Der Weg war für uns nötig, weil eine 20m hohe Brücke den kürzeren Weg
versperrt hat.
Nachmittags hatten wir starke Strömung gegen uns, das Wasser hat sich
verwirbelt. Viele kurze Schläge waren nötig für diese engen Passagen, dabei
auch Fähren und Frachtschiffen ausweichend. Für Jörg an den Schoten heute ein
hartes Stück Arbeit und Detlef meist am Steuerrad hatte auch so seine
Beschäftigung. Etwas problematisch war, dass der Tiefenmesser oft ausgefallen
ist, somit mussten die Tiefenlinien auf dem Plotter für die Entscheidung, ob
eine Wende erforderlich ist, ausreichen. Landschaftlich war alles sehr
reizvoll, eben typisch norwegisch. Je näher wir nach Bergen kamen, desto mehr
schicke Häuser an den Ufern.
Montag,
16.6.:
Hafentag in Bergen, morgens ist es noch schön leer und ruhig.
So kann ich die futuristische Touristeninformation und auch den Fischmarkt fast
ohne Menschen fotografieren. Und auch in der Touristeninformation ist es noch
leer und ich kann gutes Material, Hinweise für Bergen empfangen und den Blick
auf den Hafen mit dem Dreimaster „Lehmkuhl“ und den Rosenkrantz-Tower und die Bryggen
durch die Scheiben fotografieren.
Vorteil des Stadthafens ist, dass man direkt in der Altstadt liegt gleich
gegenüber die Bryggen; Nachteil dass es hier keine
Schwimmstege gibt. Man liegt an der Pier an schwarzen Reifen, bei einem
Tidenhub von 1,50m kann es passieren, dass die Fender nachts über den Reifen
liegen.

Der nächste Weg führte uns in den Marineausrüster, besonders wichtig war, ein
neues Tiefenmessgerät zu kaufen – hat geklappt. Anschließend in den Supermarkt,
um uns für die nächsten drei Tage auf See (bis zu den Shetlands)
zu proviantieren. Dann beginnen die Männer mit dem
Bauen und ich begebe mich in die Kombüse, um Mittagessen (heute gibt es
gebratenes Walfleisch) zuzubereiten. Nachmittags muss weitergebaut werden und
ich mache einen Stadtbummel. Jetzt ist hier pulsierendes Leben, sowohl auf den
schönen Plätzen und Straßen als auch auf dem Fischmarkt.

Heute Abend wollen wir in das Eröffnungskonzert vom Sommerfestival „Grieg in
Bergen“ in die Korskirken gehen. Interpreten sind
Michael Süssman (Violine) und Mai Goto (Piano).
Und es war ein schöner Abend. Händel, Grieg, Svendsen
und Franck waren im Programm, insbesondere der Geiger war eine Klasse für sich.
Und die Kirche eignet sich als Konzertraum gut.

Dienstag, 17.6./Mittwoch, 18.6.:
Heute zuerst nochmal der Versuch, an eine
neue Gasflasche zu kommen, leider erfolglos. Detlef ist zur Aussichtsplattform
von Bergen (Flöyen) unterwegs, Jörg und Hillu
bereiten noch einiges am Boot vor. Mittags geht es dann zum für mich großen
Abenteuer los. Bisher war mir die Strecke ja bekannt.
Vor der langer Fahrt erst tanken, auch wenn es nur 26 l sind, die in den Tank
passen und hier günstig für 10,30NRK zu bekommen sind. Letzte Blicke auf Bergen
und die „Lempuhl“, die wir unterwegs treffen. Ab
14:00 Uhr beginnen wir zu segeln, der Wind kommt mit 3 bis 4Bft aus NW, also
mit 1xgerefftem Groß und der Fock kreuzen.

Nach 3h nimmt der Wind ab, es nieselt und Nebel kommt auf (Sicht ~300m), gut
dass wir ein AIS haben. Schiffsverkehr ist reichlich. Wir biegen in den Rongesund ein, hier ist die 1. Brücke unter der wir
durchkommen, um den Atlantik zu erreichen. Erstmal
erwartet uns glattes Wasser, leichte Dünung und Wind unter 1Bft.

Ab 18:30 Uhr kommt Wind mit 2 bis 3Bft aus NW (Zeitbeginn für die
Etmal-Ermittlung). Wir segeln bei bedecktem Himmel, ab und zu Regen, hoch am
Wind den Generalkurs Richtung West. Innerhalb von 3h muss nacheinander gerefft
werden, der Wind verstärkt sich auf 6 bis 7Bft. Zweimal müssen wir den Kurs auf
Anweisung ändern, einmal von einem Kabelleger für 1h auf 180° und das 2. Mal
von einer Bohrplattform für ½h auf 230°. Vormittag können alle Reffs
ausgeschüttet werden, der Wind kommt mit 3bis 4Bft aus West, also wieder
kreuzen, Durchschnittsgeschwindigkeit 6,5kn. Unser Etmal ist 117sm. Über Nacht
nimmt der Wind auf 9Bft zu, das ist ganz schön happig. Hinzu kommt die
Wellenhöhe, ca. 3 m. Das Boot knallt in die Wellen und der blanke Hans geht mit
10 cm Tiefe über Deck. Hillu kann ihre Nachtwache aus „gesundheitlichen
Gründen“ nicht antreten, und auch Detlef und Jörg haben tüchtig mit diesen
Bedingungen zu kämpfen. Unsere Windselbststeueranlage „Guste“
verkraftet auch diese Windstärke i.a. gut. Größere Verluste sind zu
verzeichnen, der Windgenerator reißt ab fliegt ins Wasser, unser großer
Ei-Fender und der Rettungsring mit Leuchte verabschieden sich. Und Innen liegt
alles was nicht eingeschlossen war, im Boot herum. Letzteres ist weniger
problematisch, da schnell wieder einräumbar.
Statt der knapp 200sm sind es durch das Aufkreuzen etwa 250sm geworden – alle
gesegelt!!!
Donnerstag, 19.6.:
Gegen 5:00 Uhr überqueren wir den
Nullmeridian von Ost nach West. Von den Shetlands sehen
wir zuerst den Leuchtturm am Südzipfel (Sumbourgh
Head) und kreuzen dann an der Hauptinsel entlang Richtung Norden.
Gegen 13:00 Uhr erreichen wir die „Einfahrt“ nach Lerwick
mit Steilküste, sattgrünen Wiesen mit Schafen und einem sehr schönem Leuchthaus
auf der Insel Bressau. Außerdem gibt es noch eine
Vorführung, wie man mit einem Hubschrauber aus einer Rettungsinsel gerettet
werden kann. Offensichtlich nicht einfach, es dauert.

15:30 Uhr ist unser Boot im Hafen von Lerwick(Shetlands) fest angebunden, wir verlegen uns aber noch ins
Dock 2, weil dort ein Schwimmsteg ist und wir somit die Tide nicht beachten
müssen. Touristeninfo und Hafenmeister werden zu Fuß angesteuert, Liegegebühr
für 2 Tage inclusive der Nutzung aller Anlagen des
Yachtclubs ist 49£. Im Gästehafen liegen wir geschützt, werden nur selten durch
den Schwell von Fähren gestört und befinden uns im Zentrum der Stadt.

Freitag,
20.6.:
Hafentag: Wäschewaschen, Gasflasche tauschen (31£), einkaufen
und Lerwick anschauen stehen für heute auf unserem
Programm. Vormittags zuerst das Fort Charlotte und das Zentrum mit Town Hall .
Die Town Hall besichtigen wir auch innen, stolz zeigt man uns das
Hamburg-Fenster.

Nachmittags ein längerer Spaziergang entlang einer 2. Bucht bis zum Clickimin Broch, die Brochs sind Shetlands beeindruckendste
prähistorische Gebäude. Dieses Steinrundhaus soll vor rund 2300 bis 1900 Jahren
errichtet worden sein. Schon interessant wie die Pikten in dieser Zeit gelebt
und gewohnt haben.

Auf dem Rückweg dieser schöne Blick, für mich genauso, wie ich mir schottische
Städte vorgestellt habe. Und ein einsamer Seehund auf einem Stein. Zum
Abschluss noch ein Pub-Besuch mit Fußball-Weltmeisterschaft gucken
(Niederlage Italiens gegen Costa Rica).

Sonnabend, 21.6.:
Heute fahren wir mit dem Bus an den Südzipfel der Insel – leider heute bei
typisch englischem Wetter: es ist alles grau in grau und es regnet fein vom
Himmel. Von der Landschaft nur wenig zu sehen. Trotzdem wandern wir bis zum Lighthouse Sumburgh Head. Dieser
Teil der Insel ist Naturreservat und es erwarten uns an den Klippen viele
Seevögel (mir haben es besonders die Papageientaucher angetan), unterwegs
natürlich auch Schafe, Seehunde und Shetland-Ponys.

Gegen Mittag klart es sich auf und wir können endlich die Landschaft erkennen.
Zurück zuerst den gleichen Weg, dann wird aber zum Jarlshof
abgebogen. Dort erwarten uns 4000 Jahre Menschheitsgeschichte.

Bis zur Rückfahrt mit dem Linienbus
vertreiben wir uns u.a. die Zeit mit einem Strandspaziergang. In 45min bringt
uns der Bus nach Lerwick zurück, jetzt können wir die
Landschaft von Mainland bewundern. Man hat den
Eindruck die gesamte Insel ist Weidegebiet: unzählige Schafe sind zu sehen,
aber auch Rinder und Ponys. Dazwischen immer Bauernhöfe und keine Dörfer,
Süßwasserseen und Buchten mit Steilküsten und Klippen.
