Sonntag, 6.7.2014:

Früh müssen erstmal alle Leinen aufgeklart werden. Dann verlassen wir bei
bedecktem Himmel diesen Ort. Nach ½h können die Segel gesetzt werden –
3xgerefftes Groß und 2xgereffte Fock. Raumschots geht’s bei Wind aus N mit 4Bft
bis zur Süd-West-Spitze von Reykjanes. Dann ist die Richtung nach Norden, also
hoch am Wind kreuzen. Der Wind nimmt auf 6 bis 7Bft zu, die Wellen auf 1,50 bis
2m. So verlängert sich natürlich der zu segelnde Weg. Erst nach Erreichen der
Nordspitze der Halbinsel kann wieder raumschots gesegelt werden. 19:00 Uhr
erreichen wir die Einfahrtstonne nach Reykjavik und 20:00 Uhr legen wir im
Sailing Club direkt vor der neuen Konzerthalle Harpa an. 66sm sind es heute in
12½h geworden, für 8sm wurde der Motor benutzt.

Bis Reykjavik sind wir 2002sm unterwegs
gewesen, etwa 75% segelnd. Von den 50 Tagen waren 13 Hafentage, die wir
meistens für Wanderungen oder Stadtbesichtigungen geplant hatten. Nur auf
Vestmannaeyjar haben wir uns 3 Tage länger als vorgesehen aufgehalten. 7 Nächte
sind wir durchgesegelt. Davon war 1 Nacht besonders stürmisch, ansonsten waren
die Bedingungen zum Segeln normal.
Montag,
7.7.:
Vormittags das Boot in Ordnung
bringen und draußen säubern, Geld holen, Tanken. Durch den Sturm hat sich
genügend Lava-Asche angesammelt. Die Reparatur des Anker-Winsch-Relais klappt
leider nicht, es gibt kein Ersatzteil. Also bei SVB bestellen und zum
Handwerker schicken lassen. Hoffentlich klappt alles!!!
Dann Mittag an Bord und los geht es mit der Stadtbesichtigung – zum Schluss
sind die Beine leicht verkürzt. Hier die wichtigsten Stationen: Entlang der
Laugavegur, der exklusiven Einkaufsstraße mit originellen Geschäften und
Lokalen, weiter zur Hallkrimskirkja, dem weißen Wahrzeichen von Reykjavik. Das
Kircheninnere ist schlicht, hell und offen gehalten und bietet Platz für 1200
Personen. Außen erinnert der weitausladende Turm an eine Anordnung von
Basaltsäulen. Vom 76m hohen Turm hat man eine schöne Aussicht über die Stadt,
zu den Bergen und zum Meer.
Dann zum Einar-Jonsson-Museum mit sehr interessanten Skulpturen im Garten

Durch die Altstadt laufen wir bis zum Stadtsee Tjörnin, an dessen Nordende das
1992 erbaute Rathaus steht. Im Foyer eine große Reliefkarte von Island. Und von
dort eine schöne Stadtansicht.

Unser Weg führt uns zum alten Hafen mit den zu Restaurants und Souvenir-Läden
umgebauten Fischhallen und an der durch die Sonne heute besonders schön
aussehenden Harpa zum Boot. Auch der Sonnenuntergang gegen 23:00 Uhr lässt
dieses Gebäude in interessanten Farben strahlen. 
Dienstag, 8.7.:
Heute haben wir eine Busfahrt mit der Gray-Linie „Golden Circle Classic“
gebucht (Preis 9500 ISK pro Person). Zuerst besuchen wir Nesjavellier, ein
Hochtemperatur geothermisches Areal mit Blick auf den See Pingvallavatn.

Dann den Pingvellier Nationalpark (seit 2004 Unesco-Weltkulturerbe) mit den
Thingplätzen der Goden (Versammlung der freien Männer). Die Lögretta hatte eine
gesetzgebende und –bewahrende Funktion. Diese wurde 1262 durch den norwegischen
König aufgelöst. 1994 wurde hier das 50-jährige Jubiläum der Republik Island
gefeiert.

Pingvellier ist aber auch geologisch bedeutsam als Fortsetzung des
mittelatlantischen Rückens, wo die eurasische und die amerikanische
Kontinentalplatte auseinandertriften. Zusehen und zu messen in der
„Rabenschlucht“, die sich jährlich 8mm senkt und ausdehnt.
Auf der Weiterfahrt mit dem Bus lässt sich die landschaftliche Vielfalt Islands
genießen.

Der unter Naturschutz stehende Gullfoss (goldener Wasserfall) ist das nächste
Ziel. Hier beginnt das Hochland, das von Vulkanen und Gletschern geprägte
Innere des Landes. Der Gletscherfluss Hvita hat eine 70m tiefe Spalte in der
Lava geschaffen und stürzt in 2 Stufen, die im Winkel von 90° zueinander
stehen, insgesamt 31m mit einer mittleren Wassermenge von 109m³/s in die
Schlucht.

Dann Geysir im Haukadalur, der Stori-Geysir ist nicht mehr aktiv, dort ist nur
ein kreisrundes, 14m großes Becken zu sehen. Die Fontäne vom Stokkur schießt
regelmäßig empor. Schön sehen die vielen heißen Quellen aus, deren Farben je
nach mineralischer Zusammensetzung vom tiefen Türkiesblau bis zum leuchtenden
Rot reichen.

Vorletzter Stopp in Skalholt, von 1056 bis 1785 Bischofssitz und zugleich
kulturelles und politisches Zentrum des Landes. Die neue 1963 geweihte Kirche
ist in der Tradition der mittelalterlichen Domkirche in Form eines Kreuzes
gebaut. Besonders beeindruckend das Mosaik im Altarchor und die Mosaikfenster.
Bevor wir zum Ausgangspunkt zurück gefahren werden, die Besichtigung eines
geothermalen Kraftwerkes.
Mittwoch, 9.7.:
Vormittags nach einigen Kontroll-Arbeiten
am Boot und Wäschewaschen die Besichtigung des Konzerthauses von innen. Ich
lasse einfach die Bilder sprechen.

12:00 Uhr zum Konzert mit dem Kammerchor der Hallkrimskirkja
in eben diese. Einkaufen und zurück durch die Laugavegur.


Nachmittags nochmals in Reykjavik wandern, vorbei am Kulturhaus, dem
Nationaltheater (interessanter Außenputz bestehend aus Quarz und Obsidian), der
Domkirkjan mit einem sehr schönen Marmorbecken als
Taufbecken und weiteren interessanten Gebäuden und Plätzen. Das Wetter heute
nicht so besonders, es regnet oft schauerartig, der Wind kommt aus Ost mit 2
bis 5Bft.

Donnerstag, 10.7.:
Hafentag: Vormittags Reparatur der Fockeinrollung
am Top und Kontrolle aller Beschläge am Mast. Dabei hat Detlef Jörg nach oben
gekurbelt und Hillu die Sicherungsleine gekurbelt. Nach 1½h die Nachricht,
wieder alles in Ordnung. Der Tag heute war günstig für diese Arbeit, da nur
wenig Wind und nur etwas Nieselregen war.
Mittags hat uns Jörg ein leckeres Seemanns-Sonntag-Gericht gezaubert. Es gab
Lammkotelette (medium gebraten) mit Salzkartoffeln und Bohnen.
Nachmittags beginnt es zu regnen, also Museumstime. Wir laufen zum neuen
Maritim-Museum Vikin. Hier kann man fühlen, wie
frühere Generationen mit den Elementen gekämpft haben und welche Ausrüstungen
und Boote sie benutzt haben. Es ist eine Sammlung von Originalgegenständen und
rekonstruierten Exponaten mit einer beeindruckenden Videopräsentation. Zum
Museum gehört auch die „Odinn“, das 1. moderne
Küstenwachschiff des Landes. Alles befindet sich noch an seinem Originalplatz.
Unter extremen Witterungsbedingungen
wurden Schiffe und vor allem Mannschaften gerettet. Bekannt wurde dieses
Schiff während der drei Kabeljaukriege. Sie wehrte
die britischen Fregatten, Trawler und Schlepper ab und gewährleistete die
Einhaltung der zum Schutz der Fischgründe eingeführten Fangquoten, die von
internationalen Trawlern überschritten wurden.

Von 17:00 bis 18:00 Uhr zum Konzert der Classical Conzert Companiy Reykjavik in die
Harpa. Mit Klavierbegleitung singen eine Sopranistin
und ein Tenor Musik Isländischer Komponisten. Die Wartezeit verbringen wir in
der Harpa u.a. mit der Beobachtung unseres Bootes.
Und inzwischen regnet und stürmt es, über
Nacht soll es noch mehr werden – wir liegen sicher im Hafen.
Freitag, 11.7.:
Und es hat wirklich gestürmt, aber vormittags war der Sturm vorbei.
Allerdings scheint der Wettergott uns hier nicht hold zu sein, es regnet mal
mehr, mal weniger, dazwischen immer mal eine Regenlücke. Wenn es regnet, ist
von der Umgebung kaum etwas zu sehen. Vormittags besuchen wir das Aurora
Nordlichtmuseum, eine interessante Ausstellung über die Entstehung der
Nordlichter als Ergebnis der Sonnenaktivitäten. Außerdem gibt es sehr schöne Video-Darstellungen
von Nordlichtern.

Detlef besucht in dieser Zeit das Saga-Museum, dort wird u.a. die Geschichte
Islands in Wort und Bild gezeigt. Jörg und Hillu sind unterwegs, um doch noch
eine Adresse zum Kauf eines Relais zu erhalten. Man bemüht sich hier sehr, um uns zu helfen.
Mittag treffen wir uns an Bord und Nachmittag gehen wir getrennte Wege. Detlef
fährt mit einem Boot zum Wale-Whatching (Minkwale sind zu sehen), Hillu läuft am Ufer entlang zu der
Skulptur „Solfar“ und dann mit dem Linienbus zum „Perlan“. Auf 5 Heißwassertanks, in denen Thermalwasser aus
den heißen Quellen gespeichert wird, ruht ein spiegelnder Glaskuppelbau. Von
der Spiegelkuppel aus gibt es eine Aussichtsplattform, von der man einen
schönen Panoramablick über Reykjavik hat. Ich hatte von der Zeit her zumindest
Glück, es gab gerade eine Regenlücke, die genau dann aufhörte, als ich auf dem
Rückweg zum Boot war.


Und so wird in Island dafür gesorgt, dass die Straßen im Winter nicht vereist
sind – „Fußbodenheizung“.

Jörg hat an Bord versucht, das Relais nach „Ossi-Manier“ zu reparieren. Ist ihm
auch fast gelungen, aber es arbeitet nicht zuverlässig.
Nach dem gemeinsamen Abendessen an Bord beenden wir den Tag bei Musik und Wein
und ohne Regen.
Sonnabend, 12.7.:
Immer noch kein vernünftiges Wetter. Das heißt, der Ausflug zu den „Blubber-Blasen“
und zum See Kleifarvatn wird abgewählt – zum Wandern im
Regen haben wir keine Lust. Deshalb geht es heute zum größten Schwimmbad von
Reykjavik, Laugardalslaug, dieses wird von den heißen
Quellen des Tals gespeist. Für uns drei ein schöner Abschluss in Reykjavik.
Detlef fliegt morgen früh zurück nach Berlin, und wir wollen morgen nach Olafsvik segeln - ~86sm liegen vor uns. Die Wettervorschau
zeigt uns an, dass wir gut dort ankommen könnten. Und seit Nachmittag scheint
die Sonne, es nieselt kaum noch und die Temperaturen sind so angenehm, dass wir
nicht heizen müssen.