Sonntag, 13.7.2014:
Die Längste für Rund-Island geplante
Etappe haben wir hinter uns gebracht. 84sm
waren es – zwischendurch gab es keine Häfen.

3:30 Uhr haben wir Detlef verabschiedet, er muss wieder unsere Rente verdienen.
Danke Detlef, Du warst besonders mir eine gute Hilfe bei den langen
Überfahrten. Nun geht es bis Berlin alleine (nur wir Zwei) weiter.
4:20 Uhr haben wir in Reykjavik abgelegt. Mit Groß und Fock konnten wir bei
Wind aus Ost raumschots mit einer Geschwindigkeit von 7 bis 8kn entlang der
isländischen Küste segeln. Der Himmel ist bedeckt, die Berge hängen meist in
den Wolken. Ab 11:00 Uhr ist es mit dem schönen Wind vorbei – nur noch 1Bft,
d.h. Motor an. Das obige Bild ist bereits vom Snäfellsjokull,
einem nicht mehr aktiven, 1446m hohen Vulkan auf der Halbinsel Snäfellnes, die wir umrunden müssen. Jules Verne soll
diesem Krater ein literarisches Denkmal mit seiner „Reise zum Mittelpunkt der
Erde“ gesetzt haben. Lange haben wir ihn im Blick, nur selten sehen wir etwas
mehr als auf dem Bild. Die Dünung verschwindet auch langsam, das Wasser ist
spiegelglatt und die Sonne scheint sehr angenehm. Wir fahren entlang des Snäfellsjökull-Nationalparks vorbei an markanten 75m und
61m hohen Felsnadeln (Reste eines Vulkans mit gut erkennbaren Basalthöhlen),
erreichen 14:45Uhr das Malarrif mit Leuchtturm
(südlichster Punkt der Halbinsel). Nach fast 5h Motorfahrt kommt ganz plötzlich
wie aus dem Nichts Wind aus Nord mit 5Bft auf. Schnell das Groß 2xgerefft und
die Fock 1x. Und ab geht es hoch am Wind. Nach 2h Segeln, ist der Wind wieder
fast weg. Nochmal Motoren, dieses Mal 1¾h, bevor wir nach 15h unterwegs sein,
in Olafsvik anlegen. Zuerst an einer Pier, da hier
ein Tidenhub von 4m ist, bequatschen wir den Hafenmeister. Er gibt uns einen
Platz im Small-Hafen an einem Schwimmsteg. Damit ist eine ruhige Nacht möglich.

Schön ist es an den Vulkanen vorbei zu fahren, in der schwarzen Lava-Asche
weiße Schneefelder, rotbraunes Gestein mit grünen Flächen dazwischen und die
Gipfel kommen immer mal etwas mehr aus den Wolken heraus.
Montag, 14.7.:
Vormittag in Olafsvik
die Lage erkunden und etwas einkaufen. Mittag können wir tanken. Es ist ein
netter Ort, sehr sauber und schön angelegt. Er strahlt eine richtige Ruhe aus.
Die meisten Bewohner leben von der Fischindustrie.
Mittag können wir tanken, war leider eine Fehlinformation, so tankt Jörg dann
an der Straßentankstelle mit Kanister. Nach dem Mittagessen ruft der Berg. Wir
wandern vorbei an der futuristischen Kirche zum Wasserfall und dann immer
weiter nach oben. Schöne Sicht, wenn auch leider nicht wolkenfrei. Deshalb
laufen wir nur bis zur halben Höhe.

Das alte Lagerhaus Gamla Pakkhusisid,
1844 von einem dänischen Kaufmann gebaut, ist jetzt Museum und Cafe. Wir kehren
ein und essen leckere frischgebackene Waffeln mit Pflaumenmus und Schlagsahne –
Detlef, das wäre was für Dich gewesen. Und es gibt u.a. schöne selbstgestrickte
Mützen zu kaufen.
Gegen Abend kommt die Sonne durch, es ist kaum Wind, also angenehm warm. Jörg
hat von den Fischern einen Dorsch abgeschlaucht,
mindestens 2x Mittagessen für uns. Unser Boot finden diese Lummen wohl
interessant.
Dienstag, 15.7.:
7:00 Uhr legen wir ab, der Himmel ist grau, ab und zu kommt die Sonne
durch, die Berge hängen teilweise in den Wolken. Heute zeigt sich der Snäfellsjökul mit seinem schneebedeckten Gipfel.

Nach einer halben Stunde setzen wir die Segel beide voll. Mit genau achterlichem Wind aus SO von 2Bft erreichen wir 4 bis 5kn
Geschwindigkeit. Gegen 9:00 Uhr dreht der Wind auf NW, also hoch am Wind geht
es weiter. Und es regnet. Nach 2h noch eine Drehung, dieses Mal auf West. Wir
segeln über den Breidalsfjördur. Ab Mittag wird es
immer weniger mit dem Wind, zuerst brauchen wir den Motor nur zur
Unterstützung, ab 14:30 Uhr ist kein Segeln mehr möglich. Es bleibt diesig,
regnerisch und kalt. Den westlichsten Punkt Islands und damit auch unseres
Törns – das Kap Bjargtanger – erreichen wir 15:45
Uhr. Es ist ein Ausflugsziel für viele Touristen. Neben der zerklüfteten
Steilküste können viele Vögel beim Brüten beobachtet werden. Um uns herum
fliegen und schwimmen sie auch, Papageientaucher, Lummen, Seeschwaben,
Möwen, Und Schwärme von kleinen
Fischen, die mit ihren Schwänzen das Wasser in Bewegung bringen.


Nachdem das Kap umrundet ist, müssen wir
gegen die Strömung kämpfen, wir kommen nur noch mit 2 bis 3kn voran. Trotzdem,
die Bärentatze ist erreicht, der 1. Fjord der Westfjorde ist unser Ziel. 19:30 Uhr
ist die Einfahrt zum Hafen Patreksfjördur erreicht,
der Hafen ist übervoll mit Fischerbooten. Beim dritten Festmachen können wir
erst liegen bleiben – im Päckchen an einem Fischerboot. Für die 62sm haben wir
heute 13 ½ h gebraucht. Der Tag heute zählt nicht zu unseren besten Segeltagen.

Abendbrot, die Leinen kontrollieren und für einen ruhigen Schlaf richtig
einstellen, noch etwas am Computer arbeiten und dann in die Koje – mit einem
beheizten Boot ist alles schön.
Mittwoch, 16.7.:
Es ist, wie angesagt, kein Wind. Hafentag war geplant – gut so sonst hätten wir nur den
Motor nehmen müssen. Und mal nicht viel tun, ist auch ganz gut. Wandern fällt
wegen des Wetters aus, alle Berge hängen in den Wolken. So laufen wir nur im
Ort, kaufen ein und benutzen die Touristen-Info fürs Internet. Mittags steife
Fischsuppe an Bord und nach einer weiteren Ruhepause zum Schwimmbad. Das ist
das Beste, was Patriksfjördur zu bieten hat.
Sporthalle, Fitnessraum sind auch dabei, heiße Außenpoole mit toller Sicht auf
den Fjord und die gegenüberliegenden Berge, und eine Trocken-Sauna (auf Island
die Erste dieser Art). Zurück aufs
Boot müssen wir tüchtig klettern, das Wasser ist stark gefallen. Abends lässt
die Sonne sich etwas blicken, gleich ist es viel angenehmer an Bord.

Donnerstag, 17.7.:
7:20 Uhr legen wir ab, es ist wieder
alles ziemlich grau und es nieselt. Also tauche ich nach dem Segel setzen
wieder ab. Die Halbinsel ist zu umrunden und dann fahren wir in den Arnarfjördur. Immer abwechselnd können wir mal segeln, mal
wieder nicht. Der Wind ist nicht stabil. Dafür ist die Landschaft schön. Felsen
sind zerklüftet und zerbröselt, Steinfelder dehnen sich weiter unten aus,
dazwischen grüne Flecken. Die Berge (Bis zu 700m hoch) werden durch grüne Täler
unterbrochen. Dort meist einige Bauernhäuser und Touristenunterkünfte. Eine
Straße verbindet inzwischen die Täler, früher waren die Bauern mindestens 4
Monate von der Außenwelt abgeschnitten. Auf der anderen Fjordseite viele
Schneefelder. Natur pur!!!

13:30 Uhr erreichen wir den kleinen Ort Bildudalur, 30sm waren es bis hierher, gesegelt sind wir
knapp die Hälfte.
Im Dorf ein nettes Cafe mit Internet, ein Hotel, ein Schwimmbad und zwei Museen
und ein besonders netter Hafenmeister. Zum Wandern gibt es nicht viel, vor
allem weil es regnerisch bleibt, lassen wir es sein. Zu Fliegen würde sich
lohnen, wie auf dem Werbungsbild zu erkennen, aber natürlich auch nicht bei
diesem Wetter.

Freitag, 18.7.:
Wir beschließen, weiter zufahren, auch wenn der Wind nicht so günstig ist.
Sonnabend wird es noch ungünstiger.
Jetzt haben wir auch die isländische Wetterinfo gespeichert, die zeigt uns
deutlicher die Windrichtungen an. Wir sollten also möglichst vor 19:00 Uhr um
die Spitze der Halbinsel und damit im Isafjardardjup
sein, da uns sonst Wind mit 6 bis 10 m/s (das sind 12 bis 20kn) erwartet und
das noch von vorn. Also wird nicht getrödelt, wenn wir beim Segeln unter 4kn
kommen, nehmen wir den Motor mit 1500 Umdrehungen dazu.

Die Bilder sind ähnlich zu den gestrigen, aus den saftigen Niederungen mit
einzelnen Häusern im Fjordinneren erheben sich die schroffen Berge zum
steinigen und vegetationsarmen Hochplateau. Die Berge aus dunklem Basalt weisen
eine regelmäßige Struktur auf. Und wieder sind die Berge oft in den Wolken.

Wir segeln entlang der großen Halbinsel Vestfirdir,
in die sich mehrere Fjorde einschneiden. Sehr interessant die Farben an den
Bergen.
13:20 Uhr kommt Wind aus NO mit 3Bft, d.h. wir müssen kreuzen. Dazu nehmen wir
heute die 2xgereffte Fock als Selbstwendefock, das klappt gut. Damit brauchen
wir beim Wenden nur das Wind-Steuer bedienen.

Im Isafjardardjup haben wir auf der Steuerbordseite
das bisher übliche Bild, während auf der Backbordseite die Schneefelder bis zum
Wasser reichen.
15:40 Uhr geht der Wind auf 1Bft zurück, d.h. Motor an und Segel bergen. In dem
engen Skutulsfjördur ist kein Wind. Es dauert aber
noch einige Zeit bis wir den Hafen von Isafjördur
erreichen. Am kurzen Schwimmsteg ist ein Platz frei, prima. Da brauchen wir
nicht an die Pier. Im Hafen sind weitere Segelboote – eins davon aus Wismar,
die Sportfreunde Kaiser und Vonderhagen von der SY Mariposa. Wir quatschen ein bisschen über Technik und das
„Woher und Wohin“.
Für uns waren es heute 10¼h für die 54sm.

Nach dem Essen ein kleiner Stadtrundgang zum Beinevertreten
und dann fallen wir müde in die Koje. Eine nette Kleinstadt, deren Umgebung wir
morgen erkunden.
Sonnabend, 19.7.:
Ja, alles ganz nett hier. Das Wetter ist
heute so lala, es regnet zumindest fast nicht. Und an die Temperaturen (um
12°C) haben wir uns ganz gut gewöhnt. Heute Vormittag sind wir nochmals in der Stadt
unterwegs. Im Hafen liegen wir sehr gut geschützt.

Und so kann man hier auch ankommen.
Nachmittags rufen die Berge, wir haben uns eine Wanderroute von der
Touristen-Info sagen lassen und das Wetter war anfangs auch gut. Aber wie es
auf Island so ist, bald zog sich alles zu und es regnete. Wir waren ungefähr
500m hoch, die Bilder sind beim Hochgehen aufgenommen. Zurück haben wir kaum
noch etwas gesehen. Auf dem Weg nach oben kam ich mir vor wie in der Sauna, die
Luft sehr feucht und der Anstieg war auch nicht ganz ohne. Aber die Aussicht
oben und dazu noch die vermutete in Richtung Berge und Schneefelder hat die Kraftanstrengung
gelohnt.

Gegen 19:00 Uhr sind die Berge wieder sichtbar und es regnet nicht mehr. Die
Wetteraussichten sind so, dass wir morgen um die Nordspitze der Westfjorde
segeln wollen.