30.5.
(Sonnabend):
11:15 Uhr
verlassen wir unseren Stand. Das Großsegel ziehen wir
gleich im Hafen hoch und reffen es 2x, die Fock fahren wir 1x gerefft. Der Wind
kommt mit 18kn aus WSW, bei einem Kurs von 310° geht es hoch am Wind gleich zur
Sache. Da wir in der Fahrrinne sind, ist mehrfach ein Ausweichmanöver erforderlich. Dann knickt die
Fahrrinne Richtung W ab, d.h. Aufkreuzen. Annette, Detlef und Jörg hat das gut
gefallen. Hillu’s Gleichgewichtsorgan fand die vielen
Wenden beim Kreuzen nicht so prickelnd. So hat das Gehirn an den Magen den
Befehl gegeben, sich zu entleeren – leider in die falsche Richtung.
Ab 16:00 Uhr war hoch am Wind segeln möglich (Wind aus W mit 24kn), mit einem
Kurs von ~300° ist Helgoland direkt erreichbar, die auslaufende Strömung und
Wind und Welle heben sich in etwa auf. Nach 3h ist Marina Helgoland erreicht,
37sm segelnd bis hierher. Der Motor ist nur zum An- und Ablegen erforderlich.
Und kalt ist es hier, Lufttemperatur 12°C. Abendbrot kochen und essen, dann geht’s
ab in die Koje.

31.5. (Sonntag):
Heute sind
es hier 24°C – 12° vormittags und 12° nachmittags -, vormittags nur mit Wind
und wenig Sonne, nachmittags mit Wind und Regen. Ab 10:00 Uhr beginnt unsere
Wanderung, das Unterdorf noch ohne Touristen. Die Hummerbuden, ehemalige
Geräteschuppen der Fischer, haben sich zu einer maritimen Meile entwickelt.
Viel werden es heute so wie so nicht – das Wetter lädt
nicht zum Besuch ein. Wir erkunden die 1,5km² große,
aus rotem Sandstein bestehende Insel mit seiner markanten Felsenküste auf dem
Rundweg.

Besonders der Lummenfelsen hat es uns angetan mit
seinen rund 10.000 brütenden Vogelpaaren. Trottellummen und Basstölpel sind die
schönsten Fotomotive und die „Lange Anna“, der freistehende Fels-Turm, darf
ebenfalls nicht fehlen.


Mittags
leistete sich Detlef Knieper (Krebsscheren) für alle
inclusive des obligatorischen Verdauers
„Linie“. Knieper muss man hier auf der Insel
unbedingt essen (laut Jockel). Ist auch wirklich köstlich. Den Rückweg laufen
wir schon im Regen und später wird es immer mehr, also alle an Bord!!!
1.6. (Montag):

Diese
Wetterkarte hat uns dazu gebracht, den Plan zu verändern. Geplant war bis zur
Niederlande durchzusegeln, also etwa bis Dienstagmittag. Bei diesem
vorausgesagten Wind gab es eben eine Planänderung --- Montagabend im Hafen!! Es
war aber nicht einer der schönsten Segeltage. Obwohl schon 6:15 Uhr abgelegt,
erreichten wir Norderney erst 17:00 Uhr. Wegen des
SW-Windes (mit ~5Bft) mussten wir ständig hoch am Wind fahren, also mehr als
5,5kn Geschwindigkeit waren auch wegen der entgegenlaufenden Welle nicht drin.
Nachdem das Fahrwasser gequert war, nahmen wir Kurs Richtung WSW. Das bedeutete
zwischen dem Fahrwasser der Großschifffahrt und den Inseln kreuzen, bei 1,5m
Welle und weiter 5Bft. Zur Mittagszeit gab es für 1½h kaum Wind, aber die Welle
blieb. Ab 13:30 Uhr können wir mit 2xgerefftem Groß und ausgereffter Fock
weiter kreuzen bis zur Ansteuerungstonne Norderney.
Ab da wird es sehr abenteuerlich, die Tonnen werden trotz Vergrößerung
mangelhaft auf dem Plotter angezeigt. Vor uns fährt ein Segler, an dem wir uns
orientieren. Die Nachfrage beim Hafenmeister ergab, dass die Tonnen sehr oft
durch Sturm vertrieben werden und umgelegt werden, und das war wohl
insbesondere bei den grünen Fahrrinnenbegrenzungen so. Und außerhalb des
Fahrwassers wird es gleich sehr flach.
Fast 11h haben wir für die zurückgelegten 48sm gebraucht, zumindest 36sm
segelnd.

2.6. (Dienstag):
Hafentag wegen des angekündigten Sturms mit Böen
bis 45 kn. Das werden wir uns und dem Schiff nicht antun.
Es bläst wirklich wie angekündigt. Wir haben vom Hafenmeister einen sehr
schönen Platz erhalten (gut geschützt), trotzdem krängt das Boot durch den Wind
auf den Mast. Der Himmel ist bedeckt und die Lufttemperatur von 12° lädt auch
nicht zum Wandern ein. Jörg hat mit der Reparatur der Gasanlage zu tun, der
Regler hat den A aufgerissen. Ein neuer Regler muss her. Der Schiffsausrüster
hat einen nur teilweise geeigneten. Ein Verlängerungsschlauch und ein
Verbindungsstück sollen es richten. Es gelingt, wir können wieder kochen.
Kleinigkeiten, aber lebenswichtig. Gegen Mittag verstärkt Jörg alle Leinen
durch weitere Doppelleinen. Zum Glück sind wir nicht draußen. Annette und Detlef
sind in der Stadt unterwegs. Werden dort wohl auch essen. An Bord werden weiße
Bohnen serviert, einfach super die Bordküche. Mal sehen ob wir Morgen weiter
können.
Nachmittags gibt’s von Hillu und Jockel doch noch einen Stadtbummel, von dem
wir aber pitschenass zurückkommen. Und der Sturm ist auch noch da. Architektur
im noblen Norderney, das Kurhaus wurde zum Conversationszentrum, ein neues Badehaus ist daneben.
Preise sind auch nicht schlecht: für 4h im Badehaus 28€.

Zumindest abends wird es etwas freundlicher.
3.6. (Mittwoch)/4.6. (Donnerstag):
8:30 Uhr legen wir ab, das Wasser ist inzwischen hoch genug. Zuerst müssen
wir über 4sm zurück bis zur Ansteuerungstonne Norderney
immer schön entlang am roten Tonnenstrich.

Der Wind kommt wie vorhergesagt aus West mit 5 bis 6Bft, d.h. Kreuzen gegen
Welle und Wind mit jeweils 2xgerefftem Groß und Fock. Die rund 22sm gerade
Strecke bis zur deutsch/niederländischen Grenze legen wir in 8h zurück,
teilweise werden wir durch den Gegenstrom weiter ausgebremst. Für Hillu wieder
nicht das richtige Wetter, dafür wird sie aber von der Nachtwache
ausgeschlossen.
Jörg übernimmt die Wache bis 0:30 Uhr, dann ist Detlef bis 6:00 Uhr dran. Der
Wind wird moderater und es segelt sich schön bei Mond und Sternen.

6:30 Uhr
nimmt der Wind so ab, dass für 1½h der Motor uns vorwärts bringen muss. Er
dreht auf S mit 3Bft. Bei blauem Himmel, Sonnenschein und wenig Welle mit
ausgerefften Segeln ein schönes Segeln. Zwischendurch wieder eine kleine Flaute,
dann kommt der Wind aus NO mit 4Bft – besser kann es nicht sein. Da wir vor der
1. Einfahrt nach den Helder Niedrigwasser haben,
entscheiden wir uns für den sicheren, aber weiteren Weg. Auch hier eine sehr
lange Fahrrinne, die nur mit dem Motor bewältigt werden kann, segeln sprich
kreuzen wollen wir hier lieber nicht. Dafür ist es schon interessant, anzusehen
wie hoch der Deich ist und wie nur der höchste Teil der Häuser hinter dem Deich
rausguckt.
18:30 Uhr legen wir im Yachthafen von den Helder an.
150sm über Grund liegen hinter uns, etwa 5½h mit Motor (~24sm). 35h sind wir
nur auf dem Wasser gewesen. Für morgen verspricht die Wettervorhersage um die
12kn aus südlichen Richtungen.
5.6. (Freitag):
7:00 Uhr gehen Annette und Detlef einkaufen, ist ein ziemlich langer Weg!! 9:40
Uhr legen wir ab, da ist der Strömungsunterschied nicht mehr so stark und wir
haben auch maximal 1kn Gegenströmung. Im Vorhafen setzen wir die Segel und ab
geht es Richtung Süden. Wind aus SO mit 2Bft, Kurs 200°, über Grund 6kn. Nach
1½h wird es immer weniger Wind, wir rollen die Fock ein, „Gustav“ und der Motor
sind die Hauptarbeitskräfte. Lufttemperatur 23° und spiegelglattes Wasser,
Himmel leicht bewölkt. Wo bleiben die angekündigten 12kn???

14:25 Uhr immer noch kein Wind. Dafür gab es heute ein 3-Töpfe-Menü: Rouladen,
Gemüse und Kartoffelpüree. 15:45 Uhr Wind mit 2Bft aus SW, dann wird es weniger
und es kommt Regen mit einem Oberflächengewitter. Der Regen bleibt auch beim
Anlegen in Scheveningen/den Haag. Der Hafen ist
relativ voll, wir bekommen aber noch eine Lücke vom Hafenmeister zugewiesen.
Von den 58sm nur 20sm gesegelt – kein besonders schöner Segeltag.
Aber es ist endlich warm geworden.