22.8.
(Sonnabend):
Gestern
konnten wir den lauen Abend gut genießen und haben dabei die günstigste Ablegezeit errechnet. Dabei ist 8:00Uhr herausgekommen und
so sind wir gestartet. Blauer Himmel, Sonne und meist günstiger Wind haben uns
einen tollen Segeltag beschert. Es war wieder toll,
zu erleben, wie das Boot durch das Wasser gleitet. Die Windstärke bewegte sich
zwischen 9 und 16kn, nur um die Mittagszeit etwas weniger. Wir konnten meist
raumschots segeln, je nach Windstärke mit vollem oder 1x gerefftem Groß. Ab
13.00 Uhr hatten wir die Strömung mit uns, so dass es dadurch manchmal mit über
9kn vorwärts ging. Der Motor hatte nur beim Ab- und Anlegen zu tun. 18:00 Uhr
das Kommando „Segel bergen“ und bei Hochwasser in den großen Hafenbereich von Boulonge–sur-Mer einlaufen. Nach einer halben Stunde ist
das Boot in der Marina fest und es kommt der Ruf „Besanschot
an!!“. Anmelden in der Marina, Liegegebühr von 28,55€ bezahlen, Einkaufen muss
bis 20:00Uhr erfolgen – dann gibt es Abendbrot an Bord. Mittags hatten wir
Eintopf und Nachmittag den üblichen Obstsalat mit einen Schuss Rum.
Im Besucherteil der Marina ist noch genügend Platz und alles ist bequem
erreichbar.

Abends, von
Bord anzuhören, ein Chorkonzert. Am Sonnabend und Sonntag findet hier die
Prozession für die Heilige Maria statt. Die Statue soll 688 in den Hafen
gekommen sein. Für uns waren die 1½h einfach schön. Wegen der Wettervorhersage
– es soll Montagnachmittag Wind bis 40kn kommen – beschließen wir, die Stadt
nur morgen früh zu besichtigen und ab 11:00 Uhr weiter zu segeln.
23.8. (Sonntag):
Boulonge liegt an der Cote d’Opale.
Ab dem
4. Jahrhundert war die gesamte Stadt im Römischen Reich allein als Bononia bekannt. Sie diente als Haupthafen für die Classis Britannica, und als Verbindung zwischen Britannien
und dem Festland. Julius Caesar und Claudius
nutzten die Stadt als Basis für die römische Invasion Britanniens. Egon und
Hillu gehen von der Marina aus Richtung Altstadt. Vormittags ist noch schönstes
Wetter, Sonne und kein Wind, die Hafenanlage spiegelt sich im glatten Wasser.
Gegen 11:00 Uhr haben wir Niedrigwasser, vielen verbauten Eichenstämme sind
deutlich zu sehen.

Unser Weg führt uns zuerst an den riesigen Festungsmauern entlang, zum
ehemaligen Castrum Romanum.
Zu Beginn des 13. Jh. auf den Fundamenten
der romanischen Stadtmauer erbaut, beschreiben diese Befestigungsmauern ein
Viereck von 325 mal 410 m, in das vier jeweils von zwei Türmen umschlossene
Tore integriert sind. Der von allen Toren aus zugängliche Wehrgang bietet
schöne Aussichten auf die Stadt und das Hafenleben. Vier für Fußgänger zugängliche
Tore führen in die Altstadt. Dort laufen wir entlang einer schönen
Fußgängerzone vorbei an der Basilika Notre Dame, die allerdings erst 10:00 Uhr
geöffnet ist. Wir besichtigen also vorher von außen das Rathaus. Die Fassade
aus rosafarbenen Backsteinen und Natursteinelementen (18. Jh.) bildet einen
Kontrast zum gotischen Belfried.
Die Bibliothek ist im ehemaligen Anuntiatinnenkloster
untergebracht. In den Gebäuden aus dem 17. Jh. und im Kreuzgang befinden sich
Lese- und Ausstellungssäle. Die Kapelle aus dem 18. Jh. wurde zum großen
Lesesaal und zur Ausleihe.

Wir
überbrücken die Zeit in einem Straßencafe und bewundern den schön gestalteten
Blumen- und Gemüsegarten vor dem Rathaus.

Ab 10:00 Uhr zum Besichtigungshöhepunkt, die Basilika ist geöffnet. Innen ein mächtiger korinthischer Säulengang, der das
Gebäude stützt. Hinter dem Chor kann man die von großen Statuen umgebene 101m
hohe Kuppel bewundern. Die Krypta mit ihren bemalten Pilastern ist von
beachtlichem Wert. Ungewöhnlich und riesig ist die Krypta, ein wahres Labyrinth von
Räumen und Galerien (insgesamt 14 Säule werden verbunden), das sich unter der
gesamten Oberfläche der Basilika Notre-Dame befindet. Im Mai 2015 wurde dieses
Museum eröffnet.
Pünktlich zum Ablegen sind wir an Bord. Nach 15min verlassen wir den riesigen
Hafenbereich und kommen mit Vollzeug bei Wind aus S
mit fast 6kn über Grund gut vorwärts. Mittags wird der Himmel bedeckt, der Wind
nimmt ab. Die vorhergesagten 16kn Wind sind nicht vorhanden, so dass wir ab
13:30 Uhr den Motor zusätzlich anmachen müssen, um mit wenigstens 4kn gegen die
Strömung voran zu kommen. Ja, so war es nicht geplant. Nach 4h sind erst 15sm
zurückgelegt. Dann endlich kommt Wind mit 14kn aus SW, aber auch Regen dazu, es
ist weiter Schmetterling fahren angesagt. 16:45 Uhr dann endlich Wind mit 20kn
und Strömung in Fahrtrichtung, das bringt uns mit mindestens 8kn über Grund
voran. Lange Zeit segeln wir bei Nieselregen entlang der gewaltigen
Industrieanlagen (Hochöfen, Walzwerke, Ölindustrie ) an der französischen Küste
und erreichen 19:00 Uhr Dunkerque und damit die
Nordsee, bergen die Segel und legen heute in dem YC Mer
de Nord an. Dieser ist näher am Stadtzentrum als die
Marina du Grand Large. Von den 45sm konnten wir 30sm richtig segeln, für die
restlichen 15sm musste der Motor mithelfen. Anmelden, Liegegebühr von 34€ bezahlen, Abendbrot an Bord (mittags gab es
Linseneintopf). Danach kommt die Sonne wieder zum Vorschein und beschert uns
einen schönen Sonnenuntergang bei einem Gläschen Rotwein.

24.8. (Montag):
Hafentag, normalerweise Wandertag. Manne und Egon sind
in der Stadt unterwegs. Beide kommen reichlich nass zurück. Hillu und Jörg
waschen Wäsche (1 Maschine + Trockner) und als sie loswollen, beginnt es zu
regnen. Und das bleibt am gesamten Vormittag so, mal weniger, mal mehr.
Temperatur 17°C. Mittag an Bord, heute Bratkartoffeln, Ei und Gemüse.
Nachmittag kleiner Stadtrundgang: der Dreimaster „Prinzessin Anne“, von dort
der Blick Richtung Rathaus, das Kongresszentrum, das Rathaus von vorn. Heute
konnten wir das Rathaus auch innen besichtigen, eindrucksvoll dieses
Bleiglasfenster, das den Empfang des Piraten Jean Bart darstellt. Dann noch
vorbei an dieser alten Wetter-Messstation und zurück an Bord, bevor der nächste
Regenschauer kommt.


Der Wind ist lange nicht so stark, wie vorausgesagt. Unsere Vorsorge, im Hafen zu
bleiben, nur zum Teil berechtigt. Aber wenn 2 unabhängige Wetterdienste die
Vorhersage abgeben, nimmt man an, dass es stimmt.

25.8. (Dienstag):
Zuerst zum
Tanken und dann entlang des Kanals nach draußen. Nach 20min setzen wir das Groß (1x gerefft) und damit geht es bis zum Hafen von
Ostende. Der Wind kommt anfangs aus W mit 18kn, später mit 15kn aus SSW. Mit
rund 2kn Schiebestrom haben wir in 3h 20sm zurückgelegt. Wellenhöhe 1,5 bis 2m,
bei achterlichem Wind gut zu ertragen. Unterwegs war
meist schöner Sonnenschein, also war das Segeln super. 9:45 Uhr sind wir an der
Grenze Frankreich/Belgien. Fast am gesamten belgischen Strand stehen
Hochhäuser, sieht nicht gerade schön aus. Aber es gibt einen breiten Sandstrand
und wie wir jetzt gelesen haben, eine 57km lange Straßenbahnlinie, die die
einzelnen Badeorte verbindet. Nach 26sm und 4h haben wir im Ostender Royal
North Sea Yacht Club angelegt. Mittagessen an Bord,
Ausruhen, Stadtbesichtigung. Leider meist im Regen, es kommt ein Regenschauer
nach dem anderen. In der Peter und Paulskirche lauschen wir einigen
Orgelstücken, die Kirche wieder ein gewaltiger Bau, Baustil Hochgotik.


Heute Abend ist nochmal Muschelessen angesagt, schließlich sind wir an der
belgischen Nordseeküste. Und an Bord sitzen wir jetzt auch wieder bei Regen+Rotwein. Vorher haben wir noch einen kurzen
Spaziergang zur Strandpromenade gemacht. Ein uraltes Haus war sehr interessant,
es war zwischen zwei moderne Neubauten eingeklemmt und so wahrscheinlich vor
dem Einsturz bewahrt. Auf der Strandpromenade diese rote Kunst.

26.8. (Mittwoch):
In 9h 74sm
gesegelt, das war Spitze!!! Eigentlich hatten wir Breskens
mit 30sm Entfernung als Zwischenstation im Plan. Haben uns unterwegs wegen der
Superbedingungen umentschieden. Zuerst mit 1x, dann
mit 2xgerefftem Groß und der Fock konnten wir mit achterlichem
Wind bzw. raumschots mit bis zu 13kn in der Spitze durch das Wasser rauschen.
Wind war von 17 bis 30kn, anfangs Wellenhöhe 1,5 bis 2m, später 1 bis 1,5m. Der
Strom hat uns bis zum Schluss geschoben. Bereits 10:30 Uhr haben wir die
belgisch/holländische Grenze überquert. Aufpassen hieß es 16:00Uhr, in der
Schifffahrtslinie nach Rotterdam waren einige Schiffe unterwegs, Probleme
hatten wir aber nicht. D.h. wir konnten mit vollem Speed in dem
vorgeschriebenen Kanal queren. Beim Anlegen haben wir Sonne, nach einer Stunde
gießt es wie aus Kannen mit sehr groben Windböen. Wir sind froh unter Deck zu
sein und den Kahn an einer Pier und nicht auf See zu haben.

Für morgen planen wir vormittags den Haag zu besichtigen und nachmittags die
30sm bis Ijmuiden zu segeln.
27.8. (Donnerstag):
8:00 Uhr
nochmal ins Internet Wettervorhersage schauen, dabei entscheiden wir uns auf
die Besichtigung von den Haag zu verzichten und die günstigen Windbedingungen
für heute zu nutzen. Die Entscheidung war auch im Nachhinein richtig, da die
Besichtigung „ins Wasser gefallen“ wäre, ab 9:15 Uhr bis Mittag war durchgängig
Regen. Der war zwar erst für Nachmittag angekündigt, kam aber früher. Der Wind
war in etwa so wie angekündigt, bei SW-Wind sind wir mit dem 2x gerefften Groß
und der Fock Vorwind gesegelt. Vormittags im Schnitt
6kn, nachmittags 9kn, da 2 bis 3kn Strom dazu kam. Die Wellenhöhe war etwa 2m.
Nach 14:00 Uhr hörte der Regen auf, das war für die Wache angenehmer. Den Motor
haben wir nur zum Ab- und Anlegen gebraucht, für die 58sm 8¼h.
Den Helder hat nur eine kleine Marina, der königliche
Yachtclub. Wir haben aber noch einen freien Platz gefunden und liegen nun
windgeschützt hier. Den Obstsalat mussten wir nicht unterwegs, sondern konnten
ihn im Hafen essen.

28.8. (Freitag):
Bei bewölktem Himmel verlassen wir 8:00 Uhr die Marina, gleich nach Verlassen
des Hafenbereichs setzen wir Groß und Fock voll. Noch ein Blick zurück Richtung
Hafen den Helder. Wenig später begegnen wir einen Krabbenfischer mit einem Schwarm Möven
hinterher. Zuerst müssen wir aus der Marship herauskreuzen, dann geht es zwischen Texel
und Norderhaaks raumschots durch das Morengat. Mit Wind aus West zwischen 15 und 20kn haben wir
wieder das große Los gezogen. Wir kommen gut voran, zuerst an den Sandstränden
von Texel und Vlieland.
Wellen sind wenig, es segelt sich also wunderbar.

12:30 Uhr erreichen wir bereits die Ansteuerungstonne von Vlieland,
müssen dann aber noch weitere 2h segeln bzw. zum Schluss motoren,
um uns durch die Sände zu schlängeln und in die
Marina Vlieland zukommen, die auf der Innenseite der
Insel liegt. Schöne Sandstrände gibt es die gesamte Insel entlang. 32sm, fast
alle segelnd, waren es heute. Die Hafeneinfahrt ist sehr eng, man muss bei Wind
tüchtig aufpassen, gut hineinzukommen. Nach Mittagessen an Bord (heute mal
wieder Drei-Topf-Menü: Rouladen, Pilzknödel und Rotkraut) und Ausruhen, macht
Egon einen ausgiebigen Strandspaziergang und Hillu und Jörg laufen in das Dorf Oostvlieland. Ein netter sauberer Ort mit vielen
Restaurants, Geschäften und Hotels. Im Hafen liegen mehrere Traditionsschiffe,
im Abendlicht sehr schön anzusehen.


Der Wind bläst immer noch, abends wird es zusehends kälter. Abendbrot an Bord,
Rotweintrinken auch.