10.6.2013 (Montag):
Heute ist Ruhetag. Gegen 8:00 Uhr geht’s los entlang dem Kai. Wir fahren mit
dem Linienbus nach Taormina. Zuerst Autobahn, dann windet sich der Bus berghoch
bis wir nach 1h unser Ziel erreichen. Wir steigen in den nächsten Bus, der uns
auf einer Serpentinenstraße nach Castelmola bringt. Die Aussicht wird immer
berauschender. Dieser Ort ist mit seinen Häusern, Kirchen und der Festung rund
um den höchsten Hügel gebaut.
Er liegt 529 m hoch auf dem Gipfel des Monte Tauro. Nach einer Pause
im Restaurant und Ortsbesichtigung laufen wir auf einem gut ausgebauten Weg
steil bergab. Auf halber Wegstrecke liegt die Wallfahrtskirche Madonna della
Rocca, erbaut im 17. Jahrhundert, eine schöne Höhlenkirche.
Auf Grund der malerischen Landschaft, des milden Klimas und zahlreicher
historischer Sehenswürdigkeiten entwickelte sich die Stadt im 19. und 20.
Jahrhundert zu einem der wichtigsten Touristenzentren Siziliens. Besonders
bekannt und sehenswert sind das antike Theater mit Blick auf den Ätna (3323m
hoch) und den Golf von Giardini-Naxos und die kleine Insel Isola Bella. Zurück
in Taormina suchen wir ein schattiges Plätzchen in einem der vielen Straßenrestaurants
und werden beim Essen von diesen beiden Musikanten mit sizilianischer Musik
erfreut. In der 1km langen Fußgängerzone Corso Umberto vertreiben wir uns die
Zeit bis zur Abfahrt des Busses um 15:45Uhr. In Catania ist es immer noch sehr
warm, also Einkaufen und zurück zum Boot in den Schatten.
19:00Uhr laufen wir ins Zentrum, im Restaurant „Antica Siziliana“ gibt es das
Abschiedsessen. Lotte und Egon fliegen morgen Mittag von Catania nach Berlin.
11.6.2013 (Dienstag):
7:15 Uhr legen wir ab, jetzt bis Sardinien allein. Lotte und Egon winken
uns vom Steg aus zu. Wir haben mit ihnen gemeinsam 845sm, davon 495sm segelnd
zurückgelegt.
Ab 7:45 Uhr können wir segeln mit Groß und Selbstwendefock hoch am Wind. Die
Sonne scheint vom blauen Himmel, es sind kaum Wellen. Entlang geht es an der
relativ flachen aber felsigen Küste Sizilien Richtung Süden. Vormittags dreht
der Wind mehrfach und ist mal schwächer mal stärker. Mal muss der Motor
arbeiten, mal erreichen wir segelnd 7kn Speed. Mittags haben wir Siracusa
querab, sicher auch ein lohnendes Ziel – für uns aber heute nicht. Ab 13:00 Uhr
haben wir stabilen Segelwind und können raumschots unser heutiges Ziel – fast
die Südspitze Siziliens erreichen. 16:15 Uhr legen wir in Marzamemi nach
insgesamt 53sm an, davon 36sm segelnd. Der Wind war stärker als Windfinder uns
vorhergesagt hat - nachmittags hatten wir um 13kn Wind aus O. Diesen blinden
Passagier hatten wir die letzten Seemeilen. Die Stadt ist etwa 3km von der Marina
di Marzameni entfernt, also findet heute nur ein Spaziergang im Hafengebiet
statt. So wollen wir möglichst nicht enden, davon lagen mehrere im Hafen.


12.6.2013 (Mittwoch):
So sollte das Wetter werden:

6:45 Uhr legen wir ab, der Wind ist schwach, Sonne vom blauem Himmel. Vor
dem Cap Passero ist eine große Fischfanganlage, die wir umfahren müssen. Nach
1h unter Motor erreichen wir die Südspitze Siziliens und können mit Groß und
Fock segeln. Der Wind kommt aus W mit 12kn, d.h. kreuzen. Nach 2 h haben wir
18Kn, also 1. Reff ins Groß. Eine ¼h später das 2. Reff bei 22kn. Der Wind wird
immer stärker (über 25kn). So beschließen wir, nicht weiter gegen die Welle zu
kreuzen, sondern in den Hafen P. da Ragazio zu fahren.
Zuerst wollen wir in den kleinen geschützten Hafen, der aber völlig versandet
ist. Nachdem wir kurze Zeit ein Wassergrundstück hatten, fahren wir in den
größeren, aber leider auch ungeschützteren Hafen, wo wir immer noch 25kn Wind
messen. Mit dieser Windstärke bei Seitenwind rückwärts anlegen, war nicht so
ohne. Beim 3. Anlauf haben wir es geschafft. Mit 3 Mooring-Leinen vorn konnte
man das Boot dann auch vom Steg weghalten. „Pünktlich“ nachdem wir fertig mit
dem Anlegen sind, kommt Antonio (der Hafenmeister) zum Erzählen und 36€
Liegegebühr kassieren. Bis 16:30 Uhr hatte der Wind noch Ausdauer, dann hat er
sich beruhigt. Heute sind wir zum Einkaufen in die Stadt gelaufen, die nicht
besonders sehenswert ist.
Entfernungsmäßig haben wir nur 24sm geschafft, auch wenn wir ~33sm unterwegs
waren. Inzwischen haben wir das Wettervorhersagegebiet „Canale di Sicilia“
erreicht, für morgen meldet unser Navtex Wind aus NW mit 3Bft – hoffentlich
stimmt’s.
13.6.2013 (Donnerstag):
Das ist unser heutiges Tagesprogramm. 6:25 Uhr haben wir abgelegt, der Wind
ist sehr schwach, die Sonne scheint, von gestern sind noch Dünungswellen da.
2½h fahren wir unter Motor die Küste entlang. Dann entwickelt sich langsam
Wind. ½h kann man segeln, dann muss wieder der Motor für 1½h arbeiten. Ab 11:00
Uhr ist dann Segelwind aus Richtung NW, also hoch am Wind mit kurzen
Holeschlägen. Der Wind nimmt stetig zu, die Richtung bleibt. Bis Nachmittag
schaukelt er sich bis 25kn auf, wir müssen reffen. 15:45Uhr bergen wir die
Segel und fahren in den Hafen von Licata, in der Hafeneinfahrt messen wir immer
noch 30kn. Der Wind bläst zwar wieder quer zum Anlegen, da aber ein Marinero da
ist, klappt alles gut. Die Marina di Cala del Sol in Licata ist relativ neu,
sehr großräumig angelegt und hat saubere und gepflegte Anlagen. Mit ADAC-Rabatt
(10%) bezahlen wir 38€. Nach dem Essen gehen wir in einem modernen Supermarkt
gleich neben der Marina einkaufen, für einen Stadtrundgang bleibt nicht viel
Zeit. Im Straßen-Cafe nutze ich Internet. Wir freuen uns über die vielen
Antworten per Email – weiter so Freunde!!!

14.6.2013 (Freitag):
Ablegen 6:40 Uhr, allerdings stellt Jörg fest, dass die Batterien nicht
ausreichend aufgeladen werden. Wir fahren zurück in die Marina. Nach einer ½h
liegen wir wieder im Hafen. Zuerst kontrolliert Jörg selbst, stellt aber fest,
dass ein Fachmann kommen muss. Der wird von der Rezeption gerufen und stellt
fest, dass der Dioden-Verteiler kaputt ist. Ein neues Gerät kann erst Dienstag
geliefert werden, so lassen wir die noch ganze Diode auf alle 4 Batterien
klemmen und bitten Feo telefonisch, uns ein neues Gerät zu besorgen und es mit
dem Flieger mitzubringen. 11:30 Uhr ist der Monteur fertig und wir können
wieder aufbrechen. Der Wind kommt mit 5kn aus WNW, ist unsere Richtung. Also
Motorboot entlang der sizilianischen Küste fahren, der Himmel ist strahlend
blau, es ist sehr heiß, wir haben kaum Wellen. Da es ab Catania keine
Tankstelle mehr gab (auch nicht in der modernen Marina Licata), haben wir einen
Zwischenstopp in Porto Empedocle eingelegt. Die Wassertankstelle ist nicht mehr
vorhanden, aber bis zur Straßentankstelle ist es nicht weit. So holt Jörg mit
den 20l Kanister 62l Diesel. Die Geruchsbelästigung im Hafenbecken ist enorm-
zum Übernachten ist der Hafen nicht empfehlenswert. Wir wollen sowieso weiter,
leider ist immer noch kein Segelwind, es bleibt bei 5kn aus W, also weiter
motoren. Die Küste ist interessant- es gibt immer mal weiße Steilküste, aber
auch hüglige meist relativ kahle Berge mit vereinzelter Bebauung.
4,4sm vor unserem Ziel der Sonnenuntergang, vorher glitzerte das Wasser in den
Sonnenstrahlen – ein angenehm lauer Abend.
21:30 Uhr legen wir in Sciacca in einer Marina an, für die 55sm haben wir 8½h
gebraucht. Noch schnell mit der Heckdusche geduscht und ab in die Koje, der Tag
war anstrengend. Die Stadt scheint ganz schön zu sein, zur Besichtigung haben
wir aber keine Muse mehr.
15.6.2013 (Sonnabend):
Im Hafen befindet sich eine Tankstelle, zu der wir 6:40 Uhr fahren. Natürlich
niemand da und über die angegebene Telefonnummer lässt sich auch bis 8:00 Uhr
niemand anlocken. Da wir inzwischen in Erfahrung gebracht haben, dass vor 9:00
Uhr niemand erscheint, entschließen wir uns, loszufahren. Das Wasser ist wieder
spiegelglatt, die Sonne scheint und macht es früh schon unangenehm heiß im
Hafen. Durch den Fahrtwind geht es draußen.
Mit einem Kurs von 280° fahren wir weiter entlang der sizilianischen
Südküste mit dem Ziel Marsala, ein Hafen an der südwestlichen Spitze der Insel.
Von hier wollen wir die Überfahrt nach Sardinien beginnen.
11:30 Uhr haben wir Capo Granitola querab, wir setzen für 1¼h die Segel mit
Wind aus W und 9kn. Danach ist alles wieder weg und das Meer spiegelglatt. Kurz
vor dem Ziel ist Baden angesagt. 15:15 Uhr sind wir in Marsala, wir tanken
34,3l. Von den 43sm konnten wir heute nur 6sm segeln. Und es ist sehr heiß, man
hält es nur im Schatten aus. Erst gegen 19:00 Uhr wird die Temperatur in der
Stadt erträglich, wir kaufen noch etwas ein. Da die Stadt nichts Besonderes zu
bieten hat, gehen wir zurück zum Boot.
16.6.2013 (Sonntag):
Fazit zu Süd-Sizilien: Zum
Segeln nicht besonders reizvoll, es war oft sehr wenig Wind und wenn Wind, dann
stark und aus westlichen Richtungen. Bis auf wenige Ausnahmen ist die
Küstenlandschaft ziemlich eintönig. Außer der Marina in Licata sind die Häfen
wenig ausgebaut, Diesel ist nur schwer zu bekommen. Vorteil: es gibt immer
freie Liegeplätze, egal zu welcher Zeit man kommt. Das Leben scheint hier
stehengeblieben zu sein. Es sind nur sehr wenige Segler unterwegs, insgesamt
kaum Schiffsverkehr, nur ab und zu Fischer und wenig Container-Schiffe.
Mit diesem Wetter haben wir laut Vorhersage zurechnen und bisher ist es auch
so. Das Wasser ist spiegelglatt und es ist sehr heiß.
6:20 Uhr legen wir ab, 9:30 Uhr haben wir die westlichste der Egadischen Inseln
Marettimo querab und es ist immer noch kein Lüftchen außer dem Fahrtwind zu
verspüren. Marettimo ist für längere Zeit das letzte Land, was wir sehen.
Nachmittags ist immer noch kein Wind, also nur motoren. Die Insel Marettimo
verschwindet langsam am Horizont. 19:15 Uhr ziehen wir das Groß, es ist
achterlicher Wind mit 7kn. Da es noch 97sm bis Cagliari sind, muss der Motor
weiter mitarbeiten. Wacheinteilung: 1. Wache: Jörg, 2. Wache ab 23:45 Uhr
Hillu.
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